14.6.19

Der Wintergarten

von Jan Konst

Jan Konst ist Literaturprofessor aus den Niederlanden. Er hat in eine deutsche Familie eingeheiratet. Und da er von der deutschen Geschichte nicht viel wusste, wollte er mehr erfahren, weshalb er sich gern mit Hilde, der Großmutter seiner Frau unterhalten hat. Sie ist 1902 geboren, also zur Zeit des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. In ihrer Generation ist es entscheidend, wen man heiratet, und sie hat mit einem Meißner Fabrikanten eine gute Partie gemacht. Aber als dann die Nationalsozialisten an die Macht kamen und später noch im
2. Weltkrieg die Männer eingezogen wurden, musste sie sich und ihre Kinder allein durchbringen. Eines der Kinder ist Brigitte, die Schwiegermutter des Autors. Sie überlässt ihm das umfangreiche Familienarchiv, bestehend aus Briefen, Bildern, Zeitungsausschnitten, Zeitdokumenten, usw. Bei der Sichtung und Ordnung dieser Unterlagen lernt er seine „Familie“ sehr genau kennen, mit allen Sonnen- und Schattenseiten, die er aber als Chronist nicht zu werten vermag. Das überlässt er voll und ganz dem Leser! Er ist auf keine tiefen Abgründe gestoßen!(Zitat)
Ich persönlich fand die Art wie dieses eigentliche Sachbuch geschrieben ist, sehr angenehm zu lesen und es hinterließ ein ziemlich klares Bild des 20. Jahrhunderts.
Einige Geschichten sind sehr launig erzählt, z.B. wie man die erlesenen Weine vor den Russen retten will, indem man sie im Dorf zu günstigem Preis verkauft. Oder wie man in den Anfangszeiten der DDR zur Großmutter zieht, um sie nicht ins Altersheim stecken zu müssen. So leben drei Familien in 3 Zimmern und das Badezimmer wird für den jungen Gottfried umfunktioniert; wenn er im Bett liegt hat er einen Wasserhahn direkt über seinem Kopf aus der Wand herausragen. Oder wie Gerd und Brigitte zwar einen gemeinsamen Urlaub antreten dürfen, aber nur die Tage gemeinsam verbringen dürfen, nicht die Nächte! Aber in der letzten Nacht …. da lässt man sich was einfallen! 

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