9.8.13

Ein Teelöffel Land und Meer

von Dina Nayeri

Beschreibung:
Der Roman beginnt kurz nach der islamischen Revolution im Iran. Die Familie der beiden Zwillingsschwestern Mahtab und Saba ist wohlhabend und besitzt mehrere Ländereien im Norden des Landes. Zwei einschneidende Ereignisse verändern das Leben nachhaltig: die islamische Revolution zwingt die christliche Familie, Teheran zu verlassen und als die Mädchen 10 Jahre alt sind, sind die Mutter und Mahtab verschwunden. Sie sind, so glaubt zumindest Saba, in die USA gereist. Für Saba ist es ein Schock. Die Mädchen wurden westlich erzogen, lernen Englisch, hören amerikanische Musik und lesen amerikanische Zeitschriften. Da Saba nichts von ihrer Schwester weiß, denkt sie sich Geschichten über sie aus, die sie ihren Nachbarinnen erzählt: Mit welchem Jungen sie zum ersten Mal ausgeht, wie sie nach Harvard geht und dann Journalistin wird. Über den Verbleib der Mutter gibt es nur Gerüchte: sie ist vielleicht in das berüchtigte Evin-Gefängnis gekommen.
Damit Saba abgesichert ist, beschließt der Vater, sie mit Abbas, einem alten, reichen Junggesellen, zu verheiraten. Sie ist einverstanden, weil sie durch den Heiratsvertrag als Alleinerbin eingesetzt wird. Sie hofft, dass ihr Ehemann bald stirbt. Ihr Traum ist es, nach dessen Tod mit dem Geld in den USA ein neues Leben beginnen zu können. Ihr Ehemann ist impotent, er rührt sie nicht an. Doch dann holt er eines Tages zwei Frauen, die in brutaler Weise bei Saba einen Zwangsentjungerung durchführen. Infolgedessen wird sie keine Kinder mehr bekommen können. Ihr Ehemann stirbt und nach der Trauerzeit heiratet sie ihre Jugendliebe Reza. Sie verbringen eine sehr schöne Zeit miteinander, doch bald merkt Saba, dass es nicht die wahre Liebe ist. Sie hat Reza gebraucht, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie beginnt mit den Vorbereitungen für die Ausreise in die USA.

Mein Fazit:
Neben der bewegenden Familiengeschichte bietet der Roman sehr gute Einblicke in den Iran nach der Machtübernahme durch die Mullahs. Eine der eindringlichsten Szenen ist die Hinrichtung einer jungen, schönen Frau, die getötet wird, weil sie lesbisch ist und weil sie die Avancen eines Mullahs abgewiesen hat. Diese Szene wird von Saba und ihren Freunden, die sich einer Widerstandsgruppe angeschlossen haben, heimlich gefilmt und fotografiert. Damit die christliche Familie in Ruhe gelassen wird, lädt der Vater häufig Nachbarn ins Haus, auch den Mullah Ali und versorgt sie mit Speis und Trank und mit Opium. Deutlich zeigt die Autorin, die im Iran geboren wurde, die Verlogenheit der Mullahs.
Interessant ist auch die Erzähltechnik. Der Großteil des Romans wird aus der Perspektive von Saba erzählt. Unterbrochen wird ihre Erzählung durch kurze Einschübe, in welchen Nachbarinnen und die Freundin ihrer Mutter zu Wort kommen. Von ihnen erfährt man in Bruchstücken, was mit der Zwillingsschwester und der Mutter wirklich passiert ist. Nayeris Debüt-Roman ist auch ein Buch über das Geschichten-Erzählen.

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