9.5.14

Die Geschichte eines schönen Mädchens

von Rachel Simon

Beschreibung:
Amerika, 1968: Die Witwe Martha, eine pensionierte Lehrerin, lebt abgeschieden in einem kleinen Häuschen. Nur zu einigen ihrer ehemaligen Schüler hält sie Briefkontakt, und regelmäßig zu Weihnachten erhält sie Besuch von diesen. Eines Nachts stehen zwei wildfremde verzweifelte Menschen vor ihrer Tür: Homan, ein Afroamerikaner, der taubstumm zu sein scheint, und Lynnie, ein junges Mädchen, das ebenfalls nicht spricht. Trotzdem gewährt sie ihnen Eintritt ins Haus und erkennt bald, dass sie auf der Flucht sind. Sie sind aus der Anstalt für schwer Erziehbare und geistig Behinderte geflohen. Die skrupellosen, wenig zimperlichen Wächter der Anstalt tauchen wenig später bei Marthas Haus auf. Homan kann entkommen, Lynnie hingegen wird in die Anstalt zurückgebracht. Doch ihre Peiniger ahnen nichts davon, dass Lynnie bei ihrem Fluchtversuch ein Baby geboren und es bei Martha versteckt hat, welcher sie vor ihrer Abfahrt das Versprechen abringt, sich um die Kleine zu kümmern. Martha hält ihr Versprechen, was ihr ganzes Leben verändert. Sie kümmert sich liebevoll um das Baby, das sie Julia nennt. Sie wechselt immer wieder ihren Aufenthaltsort, damit sie nicht entdeckt werden, und sie schreibt Briefe an Julia, Briefe, in denen sie ihr ihre Geschichte erzählt und welche Julia erst viele Jahre später in Händen halten wird. Lynnie indessen fristet ein trostloses Leben in der Anstalt, ihr Baby und Homann kann sie nicht vergessen. Zu ihrem Glück gibt es in der Einrichtung die Betreuerin Kate, die sehr freundschaftlich mit Lynnie umgeht, sie nicht so menschenverachtend und brutal behandelt wie die anderen Pfleger und sogar ihr künstlerisches Talent heimlich fördert. Homan hingegen versucht sich irgendwie durchs Leben zu schlagen; sein Handicap macht es ihm alles andere als leicht. Auch noch nach vielen Jahren versucht er, Lynnie, das schöne Mädchen – wie er sie immer in seinem Kopf genannt hat – zu finden. Schließlich, über vierzig Jahre später, nimmt die Suche der Protagonisten ein tröstendes Ende.

Fazit:
Eine sehr berührende, authentische Geschichte mit starken, glaubhaften Charakteren. In den Anmerkungen am Ende des Buches schreibt die Autorin, dass sie gründlich recherchiert hat und dass das wahre Schicksal eines jungen, tauben Afroamerikaners sie zu diesem Roman bewegt hat. Die Schilderungen der Geschehnisse in der „Schule“ für Behinderte, des beschwerlichen Lebens von Homan, der sich nicht gut ausdrücken kann und lange Zeit von niemandem verstanden wird, lassen den Leser betroffen zurück. Doch letztlich spricht aus dem Buch auch eine große Hoffnung: dass es immer wieder Menschen wie Martha und Kate gab und geben wird, die für andere Menschen da sind, sich für sie einsetzen, und dass Liebe die Macht hat, Menschen am Leben zu erhalten.

Empfehlung:
Ich empfehle das Buch allen, die sich gerne auf eine emotionale Geschichte einlassen, die noch einige Zeit nachklingt.

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