23.12.16

Kleiner Wahn

von Dianne Touchell

Rose und Michael sind verliebt. So verliebt, wie es das nur einmal gibt. Mit zarten Berührungen, ersten Küssen und mit dem ersten Mal, das Rose sich eigentlich für die Hochzeitsnacht aufsparen wollte. Aber was soll’s. Michael ist sowieso der Auserwählte. Michaels Bruder Tim steckt Michael Kondome zu, Roses Freundin Liv, die Schulmatratze, steckt Rose Kondome zu. Aber beim 1. Mal passiert ja nix. Und auch nicht beim 2. Mal. Oder? Rose ist schwanger. Wenn man eine Schwangerschaft nur lange genug ignoriert, vielleicht vergeht sie dann wieder?
Das Umfeld der beiden jungen Leute ist verlogen und hinterfotzig. Was man nicht wissen will, das weiß man ganz einfach nicht. Michael hat einen Vater, der mit sich und seiner Familie hart ist, um ja nicht in das Muster seines alkoholsüchtigen Vaters zu fallen. Beide Familien leben nach außen als Bilderbuchfamilie. Sein und Schein klaffen jedoch gewaltig auseinander. Rose hat keinen Gynäkologen, zum Hausarzt kann sie nur mit ihrer Mutter, die kuriose Ansichten von Erziehung hat. Willkommen in den prüden amerikanischen 60ern.

Mein Fazit:
Ein überraschendes kleines Buch, dessen Thema man so und ähnlich schon kennt, das in Zeiten von sexueller Freizügigkeit und Internet, von allgegenwärtiger Nacktheit etwas altertümlich anmutet, aber anscheinend noch lange nicht veraltet ist. Ein Buch mit reichlich Diskussionsstoff, mit ethischen Fragen, mit Fragen ob man sich einmischt oder besser den Mund hält, mit Freundschaften, die plötzlich keine mehr sind, weil Ehrlichkeit nicht gefragt ist, mit Eltern, die „eine bessere Zukunft für mein Kind wollen“ und wissen, was das ist …Ein krasses Teil.

Empfehlung:
Leicht und schnell lesbar, im Jugendbuchbereich überall gut einsetzbar. Für Schulbibliotheken gleich wie für öffentliche Bibliotheken, wer keinen Jugendbuchbereich hat, kann das Buch auch bei den Erwachsenen gut unterbringen.

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