15.11.19

Weg

von Doris Knecht 

Vorausgeschickt: 
Ich mag Doris Knecht seit „Gruber geht“ und ich lese auch alles von ihr. Was ich an ihr mag? Dass sie ihrer Leserschaft den Spiegel vorhält. Gnadenlos. Viele Dinge, die ich, die man maximal denkt, spricht sie aus. Metaphern sind ihr fern. In „weg“ treffen ein Vater und eine Mutter aufeinander. Sie haben ein gemeinsames Kind, das mittlerweile erwachsen ist. Dieses Kind, das psychische Probleme hat, verschwindet eines Tages nach Thailand oder Vietnam oder Kambodscha. Gemeinsam machen sich Georg, Wirt in einem österreichischen Landgasthaus, verheiratet mit Lea, drei gemeinsame Kinder und Heidi, auch verheiratet mit Martin, mit dem es gerade nicht so läuft, einen 15-jährigen gemeinsamen Sohn, wohnhaft in einem Reihenhaus in der Nähe von Frankfurt, auf die Suche nach der gemeinsamen Tochter Charlotte. Die beiden sind sich fremd, Gemeinsamkeiten gab und gibt es nicht. Lea eifersüchtelt zu Hause – zu recht – und die Tochter will und will nicht mehr auftauchen. Doris Knecht verarbeitet ganz viel Exotisches, staunt mit ihren Protagonisten über ungenießbares Essen, Müllberge und saubere Schuluniformen und vor allem darüber, wie gemein das Leben allen so mitspielt.

Mein Fazit: 
Bis jetzt kam nichts an „Gruber geht“ heran, auch „weg“ nicht. Trotzdem ein lesenswertes Buch für Leute mit Fernweh, das sie aber lieber auf der Couch als in echt ausleben.

Meine Empfehlung: 
Zeit, große Abschnitte zu lesen, eine bequeme Couch und ein Stück Wassermelone. Dann ist das Buch wie eine aufregende Urlaubsreise. Und natürlich suchen wir noch die Tochter. Die ist nicht in der Bibliothek. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen