Der Ich-Erzähler Friedrich wächst in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wohlbehütet in einem Haus am Genfer See auf. Der Vater ist Geschäfts- und Lebemann und ist viel unterwegs. Die Mutter ist Malerin, Alkoholikerin und glühende Anhängerin des Nationalsozialismus.
1942 beschließt der unbedarfte, naive und unerfahrene Friedrich, nach Berlin zu ziehen. Er möchte Maler werden und ist magisch angezogen von der Stadt. Er selber fühlt sich schwach; die Stärke der Deutschen fasziniert ihn. Er quartiert sich in einem Grand Hotel ein. Beim Aktzeichnen lernt er das Aktmodell Kristin kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Zusammen mit ihr taucht er ein in das Nachtleben in Berlin. Trotz des Krieges bekommt man gegen Geld alles, sogar französischen Camembert und Austern.
Der Vater möchte, dass der Sohn zu ihm nach Istanbul kommen soll, Berlin wird zu gefährlich, aber der Sohn bleibt wegen der Liebe. Eines Tages kommt Kristin zu ihm ins Hotel, sie ist kahlgeschoren und schwer misshandelt worden. Sie hat ihm nicht die Wahrheit gesagt. Sie ist Jüdin und heißt Stella Goldschlag. Ihre Eltern sind in einem Lager in Berlin und sollen in ein Vernichtungslager in den Osten gebracht werden. Um das zu verhindern, wird sie für die Gestapo zur „Greiferin“, das heißt, sie macht versteckte Juden ausfindig und verrät sie an die Nazis. Mehrere hundert soll sie im Lauf der Zeit verraten haben. Stella wird nach dem Krieg von den Russen verhaftet. Es wird ihr der Prozess gemacht: sie bekommt 10 Jahre Zuchthaus. Die Handlung des Romans wird unterbrochen von Zeugenaussagen aus diesem Prozess.
Im Mittelpunkt steht die unmögliche Liebesgeschichte zwischen Friedrich und Stella. Beide sind sehr zwiespältige und widersprüchliche Figuren. Diese Geschichte ist packend und auch berührend. Das Problem ist nur, dass diese Geschichte sich mitten im Schrecken der Nazidiktatur abspielt. Den Friedrich möchte man am liebsten wachrütteln und ihm klar machen, wo er sich gerade befindet: in einer brutalen Diktatur, die Menschen in die Gaskammern schickt. Ein Buch, das kontroverse Diskussionen auslöst, das einerseits faszinierend, andererseits abstoßend wirkt. Das Buch entwickelt auf jeden Fall einen unwiderstehlichen Erzählsog. Eher für größere Bestände geeignet. MF

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