18.9.20

Vom Fischen und von der Liebe: Mein irisches Tagebuch (1977 – 2003)


von Benoîte Groult
Juli 2019 (Ullstein), 400 Seiten
 
Die Autorin feierte einen großen Erfolg mit ihrem Roman „Salz auf unserer Haut“, der 1988 erschien. Nun liegt ihr irisches Tagebuch in deutscher Fassung vor, herausgegeben von Groults Tochter Blandine. Sie schreibt im Vorwort: „Als letztes literarisches Projekt wollte meine Mutter ihr irisches Tagebuch veröffentlichen. In Irland hatte sie mit ihrem Mann Paul Guimard mehr als zwanzig Sommer verbracht, in dem Haus, das sie in Kerry hatten bauen lassen. Ihre Fischereilogbücher und die persönlichen Tagebücher, die sie stets parallel führte, sollten miteinander verflochten werden.“ Genauso liest sich das Buch: Es spiegelt die Leidenschaft für das Fischen wider, die Benoîte und Paul bis ins hohe Alter hinein miteinander teilten; eine Leidenschaft, die ihnen mit zunehmendem Alter körperlich immer mehr abverlangte. Ebenso findet die Leserin sich mitten hineinversetzt in die raue und karge Landschaft Irlands, die geprägt ist von einer oft stürmischen und unberechenbaren See, von starken Winden und launischem Wetter. Das persönliche Tagebuch andererseits lässt das Bild einer Frau entstehen, die über eine ungeheure Lebenskraft und Energie verfügte in all dem, was sie tat, auch in der Liebe. 55 Jahre lang lebte Benoîte Groult ganz offen ihre Beziehung zu ihrem amerikanischen Geliebten Kurt, der regelmäßig nach Irland in ihr Haus kam, wenn Paul abwesend war. Ihr Tagebuch ist auch in dieser Hinsicht, wie Benoîte Groult selbst sagt: „nicht um Anstößiges bereinigt“.
 
Mein Fazit:
Ein lesenswertes Buch, das erstaunliche Einblicke in das Leben einer Frau gibt, die sich über Konventionen hinwegsetzte und ihren großen Leidenschaften, dem Fischen und der Liebe, auch im Alter nachging.

Empfehlung:
Für alle, die jung bleiben wollen, auch wenn sie älter werden!

Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

 
 
 

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