Juli 2019 (Ullstein), 400 Seiten
Die Autorin feierte einen großen Erfolg mit ihrem Roman „Salz auf
unserer Haut“, der 1988 erschien. Nun liegt ihr irisches Tagebuch in
deutscher Fassung vor, herausgegeben von Groults Tochter Blandine. Sie
schreibt im Vorwort: „Als letztes literarisches Projekt wollte meine
Mutter ihr irisches Tagebuch veröffentlichen. In Irland hatte sie mit
ihrem Mann Paul Guimard mehr als zwanzig Sommer verbracht, in dem Haus,
das sie in Kerry hatten bauen lassen. Ihre Fischereilogbücher und die
persönlichen Tagebücher, die sie stets parallel führte, sollten
miteinander verflochten werden.“ Genauso
liest sich das Buch: Es spiegelt die Leidenschaft für das Fischen wider,
die Benoîte und Paul bis ins hohe Alter hinein miteinander teilten;
eine Leidenschaft, die ihnen mit zunehmendem Alter körperlich immer mehr
abverlangte. Ebenso findet die Leserin sich mitten hineinversetzt in
die raue und karge Landschaft Irlands, die geprägt ist von einer oft
stürmischen und unberechenbaren See, von starken Winden und launischem
Wetter. Das persönliche Tagebuch andererseits lässt das Bild einer Frau
entstehen, die über eine ungeheure Lebenskraft und Energie verfügte in
all dem, was sie tat, auch in der Liebe. 55 Jahre lang lebte Benoîte
Groult ganz offen ihre Beziehung zu ihrem amerikanischen Geliebten Kurt,
der regelmäßig nach Irland in ihr Haus kam, wenn Paul abwesend war. Ihr
Tagebuch ist auch in dieser Hinsicht, wie Benoîte Groult selbst sagt:
„nicht um Anstößiges bereinigt“.
Mein Fazit:
Ein lesenswertes Buch, das erstaunliche Einblicke in das Leben einer
Frau gibt, die sich über Konventionen hinwegsetzte und ihren großen
Leidenschaften, dem Fischen und der Liebe, auch im Alter nachging.
Empfehlung:
Für alle, die jung bleiben wollen, auch wenn sie älter werden!
Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

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