10.2.23

Auf See

von Theresia Enzensberger
August 2022 (Hanser), 272 Seiten

Die Geschichte spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft in Deutschland. Der Neoliberalismus hat seinen Siegeszug fortgeführt, der Staat existiert zwar noch irgendwie, ist aber machtlos all den Lobbys gegenüber, die ihn beherrschen. Es ist bereits alles privatisiert, was privatisiert werden kann. Die meisten Menschen leben mehr schlecht als recht: Es gibt kaum Arbeit, schon gar nicht zu fairen Preisen; die Mieten sind unbezahlbar.

In dieser Welt lebt Yada mit ihrem Vater auf einer selbstverwalteten Insel vor der Küste Deutschlands. Ihr Vater ist ein Weltverbesserer. Die Insel wurde mit dem hehren Ziel angelegt, allen Bewohner*innen ein gutes Leben zu ermöglichen. Nach und nach entwirrt Yada das Lügengeflecht, das ihr Vater aufgebaut hat. Sie flieht von der Insel. In den Erzählstrang mischt die Autorin immer wieder Sachinformationen, die Zusammenhänge zum Erzählten herstellen, Zusammenhänge, die die Leserin selbst herstellen sollte: Da geht es z.B. um L. Ron Hubbard, dem Gründer von Scientology oder um den Inselstaat Narau, der lange Zeit davon lebte, dass seine Phosphatreserven von anderen ausgebeutet wurden, was verheerende Auswirkungen auf die Umwelt hatte.

Mein Fazit:
Ein spannendes, wenn auch nicht gerade optimistisches Buch über die möglichen Folgen unserer neoliberalen Gesellschaft.

Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

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