3.2.23

Verbrenn all meine Briefe

von Alex Schulman
September 2022 (dtv), 304 Seiten

Alex Schulman, Autor und Erzähler in diesem Roman, will seiner tief verwurzelten Wut auf die Spur kommen. Er erkennt, dass viele Mitglieder seiner Familie mit diesem Problem zu kämpfen haben und so erforscht er die Familiengeschichte. Er stößt dabei auf die Großeltern Karin und Sven. Sie ist eine selbständige und attraktive junge Frau, er ist ein bereits anerkannten Schriftsteller und gefürchteter Literaturkritiker. Er leidet an Tuberkulose; trotz dieser Krankheit wird er 90 Jahre alt. Während eines Aufenthaltes in einem Hotel verliebt sich Karin in Olof, einen jungen Schriftsteller. Sie treffen sich einige Zeit heimlich und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Doch daraus wird nichts. Sven, der seiner Frau gegenüber seit langem sehr verletzend ist, behandelt sie noch herablassender, seit er von der Geschichte mit Olof weiß. Sie wagt es trotzdem nicht, sich von ihm zu trennen und beendet die Beziehung zu Olof, weil sie um ihr Leben fürchten muss.

Im Roman sind mehrere Zeitebenen miteinander verwoben: Der erwachsene Erzähler beschreibt seine Recherchen rund um die Geschichte der Großeltern. Er liest sämtliche Roman des Großvaters, besucht jenes Hotel, in dem die drei waren, er bekommt die Tagebücher von Olof und stößt zuletzt auf die Briefe, die sich Olof und Karin geschrieben haben. Dadurch rekonstruiert er die Ereignisse des Jahres 1932. Eine weitere Ebene ist jene des Jahres 1988, als Alex sich als Junge in den Ferien bei den Großeltern aufhält.

Mein Fazit:
Der Roman ist äußerst spannend geschrieben und fast wie ein Krimi. Die Verarbeitung der Familiengeschichte ist sehr überzeugend gelungen, der Autor geht dabei sehr behutsam vor. Er beschreibt ja die Geschichte von Menschen, die es wirklich gegeben hat und deren Verhalten und emotionale Erfahrungen sich auf die nachfolgenden Generationen auswirken.

Empfehlung:
Wer spannende und emotional berührende Geschichten liebt, wird dieses Buch mit Genuss lesen. Viele kennen vielleicht auch den bereits 2021 auf Deutsch erschienenen Roman „Die Überlebenden“ des gleichen Autors.

Mathilde Aspmair

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