11.8.23

Männer sterben bei uns nicht

von Annika Reich
Februar 2023 (Hanser Berlin), 208 Seiten

Vom Titelbild an Gabriel Garcia Marquez‘ „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ erinnert, flasht mich dieses Bild auch beim Lesen, und zwar im Haus der Schwester der verstorbenen Großmutter, von deren Existenz die Protagonistin Luise bis dahin gar nichts wusste. Erscheint das Interieur zuerst prachtvoll, enthüllt ein Sonnenstrahl den Zerfall. Titel und Klappentext machen neugierig, das Buch ist von der Idee her gut, auch sprachlich, doch leider bleiben die Figuren – bis auf die verstorbene (sic!) Großmutter – seltsam blass.

In einem Anwesen am See leben verwandtschaftlich mehr oder weniger verbundene Frauen verschiedenen Alters – allesamt abhängig von der Willkür der über alles stehenden Großmutter, die ständig den Schein wahrt und immer die Kontrolle behält. Ihre Enkelin Luise ist ihr Liebling, weil sie macht, was die Oma verlangt, deren Schwester Leni wird kurzerhand verstoßen, weil sie aus dem Rahmen fällt. Auf der von der Großmutter selbst geplanten und inszenierten Beerdigung treffen diese unterschiedlichen Frauen aufeinander. Von der Idee her gut, sprachlich ebenso, die Romanentwicklung blieb unter meinen Erwartungen. Und dass die Männer bei uns nicht sterben, liegt daran, dass es gar keine gibt im Buch.

Mein Fazit:
Ich fand den Titel irgendwie richtig schön und war dann enttäuscht, dass es gar keine Männer gab, die sterben hätten können.

Empfehlung:
Liest sich gut und schnell, gerne hätte ich ein bisschen mehr Tiefe gehabt.

Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck

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