13.10.23

Kinderhaben

von Heide Lutosch
Februar 2023 (Matthes & Seitz), 103 Seiten

"Die Kleinfamilie ist ein Refugium der Nichtanerkennung von Frauen, der Ort, an dem sich Männer und auch Frauen von ihrer schlechtesten Seite zeigen, an dem sie von ihren Gespenstern gejagt und eingeholt werden, kurz: der Horror." Ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung im Kinderhaben schreibt Heidi Lutosch ein – wie ich finde – deprimierendes, leider aber sehr wahres Buch zum Thema.

Hauptkritikpunkt sind die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Ideologie, unter denen man bzw. frau heute Kinder großziehen muss. Heidi Lutosch problematisiert nicht den Kinderwunsch, sondern die Bedingungen des Kinderhabens. Ich habe in dem Essay gelesen und beständig mit dem Kopf genickt. Auch nach vielen Jahren Emanzipationsbestrebungen ist ein Grundproblem erhalten geblieben: Haushalt und Carearbeit bleiben noch immer - wenn nicht ganz, so doch zum Großteil - bei den Frauen, auch wenn diese meist ebenso berufstätig sind wie die Männer. Mütter reiben sich auf zwischen eigenem Perfektionismus, gesellschaftlichen Ansprüchen, dem was andere, scheinbar perfekte Frauen in der Lage sind zu leisten, dem Anders-sein-Wollen als die eigene Mutter und dem Partner, der nicht von sich aus auf die Idee kommt, „halbe-halbe“ zu machen.

Mein Fazit:
Traurig, aber wahr.

Empfehlung:
13,20 € sind hier gut investiertes Geld. Durchaus auch und empfohlen für Väter, die „Kinderhaben“.

Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck

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