7.2.14

Vor dem Sturm

von Jesmyn Ward


Beschreibung:
Im Mittelpunkt des Romans steht eine schwarze Familie, die in einem fiktiven Ort namens Bois Savage im Mississippi-Delta lebt. Hauptfigur ist die 15-jährige Esch. Die Mutter ist bei der Geburt eines ihrer Kinder gestorben, der Vater hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und trinkt, die vier Brüder klauen, rösten Eichhörnchen über dem Feuer und vertreiben sich die Zeit bei Hundekämpfen und Basketballspielen. Esch wächst in einer Männerwelt auf. Das einzige weibliche Wesen neben ihr ist China, ein Pitbull, der einen Wurf Welpen zur Welt bringt. Die Welpen sollen verkauft und bei Hundekämpfen viel Geld einbringen. Die Familie haust in einer heruntergekommenen Hütte. Weiße verschlägt es selten in diese Gegend. Esch ist verliebt in Manny, doch dieser schaut ihr beim Sex nicht in die Augen, küsst sie nicht und wenn andere in der Nähe sind, ignoriert er sie. Die Autorin erzählt die 12 Tage vor dem Eintreffen des Hurrikans „Katrina“. Am Tag 11 werden sie aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Der Vater meint, im Haus seien sie sicher, was sich als Trugschluss herausstellen wird. Dann kommen der Sturm und das Wasser, sie retten sich auf den Dachboden des alten Hauses der Großeltern. Das eigene Haus wird überflutet. Unten wird alles weggeschwemmt. Als das Wasser abzieht, ist alles mit Schlamm überzogen. Das Haus ist fast zerstört und sie machen sich auf den Weg zum nächsten Ort. Der Hurrikan hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Sie finden auch die anderen, auch Manny und seine neue Freundin haben überlebt. China und die Welpen wurden weggeschwemmt. Erst ganz zum Schluss erzählt Esch, dass sie schwanger ist.

Mein Fazit:
Esch muss sich behaupten in dieser Männerwelt. Einzig China und die Welpen sind ein Lichtblick und die griechischen Sagen, die Esch mit Vorliebe liest. Vor allem die Figur der Medea hat es ihr angetan. Medea scheitert in einer von Männern dominierten Welt. Der Roman hat aber auch eine politische Dimension. Er zeigt das Leben der Schwarzen im amerikanischen Süden, die mehr oder weniger auf sich gestellt sind. Man kennt die Polemiken, die nach der mangelnden Hilfestellung für die Opfer des Hurrikans in der amerikanischen Öffentlichkeit entbrannt sind. Vor allem der damalige Präsident Bush wurde deswegen stark kritisiert. Sehr gut gefallen hat mir die bildhafte, lyrische Erzählweise der Autorin, die uns sehr anschaulich und ohne Pathos das Leben von Esch nahe bringt. Ein gelungenes Debüt! MF

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