31.1.14

Ein seltsamer Ort zum Sterben

von Derek B. Miller

Der Amerikaner und Jude Sheldon Horowitz ist 82 Jahre alt, als er nach dem Tod seiner Frau zu seiner Enkelin von New York nach Oslo zieht, da sie ein Kind erwartet. Brummelig und griesgrämig bestreitet er den ungewohnten Alltag in dem für ihn so fremden, seltsamen Land, bis sich die Ereignisse überschlagen: Seine Enkelin verliert das Baby und Sheldon verwickelt sich in die Fänge der osteuropäischen Mafia. Als er allein zu Hause ist, will er einfach einmal Zivilcourage zeigen und nicht weghören, als die Frau, die über ihm wohnt, geschlagen wird und ins Treppenhaus flüchtet: Er öffnet ihr die Tür und zieht sie und ihren kleinen Jungen in seine Wohnung. Doch als ihr gewalttätiger Freund die Wohnungstür einschlägt, hat er als alter Mann ihm nichts entgegenzusetzen. Gemeinsam mit dem Jungen versteckt er sich im Wandschrank, wo sie mit anhören müssen, wie die Frau erstochen und erwürgt wird. Ihnen gelingt die Flucht, doch Sheldon traut niemandem. Wenn der Mörder der biologische Vater des Jungen ist, würde dieser wieder zu ihm zurückgebracht werden. Mit der List eines alten Koreasoldaten gelingt es Sheldon, sowohl die norwegische Polizei als auch die osteuropäische Gang, die den Jungen tatsächlich sucht, zum Narren zu halten und mit Traktor und Schlauchboot übers Land zu fliehen. Dabei taucht er auch tief in seine Vergangenheit ein und flüchtet sich immer wieder in Zwiegespräche mit seinem im Vietnamkrieg verstorbenen Sohn. Trotzdem stößt er bald an seine altersbedingten Grenzen... wird es ihm gelingen, den Jungen in Sicherheit zu bringen?

Ein Krimi, der aber so viel mehr ist als "nur" ein Krimi. Es geht um Antisemitismus, um persönliche, tiefe Schuldgefühle und ihre Auswirkungen, um die Schrecken des Koreakrieges und des Vietnamkrieges und um offen ausgesprochene Probleme der Einwandererpolitik, die sonst oft nur beschönigend dargestellt werden - dazu gibt es Spannung und Nervenkitzel. 
Jeder Leser, der den Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg, geliebt hat, wird auch dieses Buch mögen, auch wenn es viel ernstere Hintergründe hat, tiefer schürft und nicht durchwegs heiter ist. Der schwarze Humor fehlt jedoch auch hier nicht.

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