von Anna Rottensteiner In diesem zweiten Roman der aus Bozen stammenden Autorin geht es um ein höchst aktuelles Thema, um die Frage nach dem Gehen-Müssen und Bleiben-Können. Erzählt wird die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, was ihre Lebensumstände anbelangt. Da ist Meta, eine nicht mehr ganz junge Frau, die sich an ihre Kindheit und Jugend erinnert, als sie das Haus am Hang betritt, das sie geerbt hat. Es ist gleichzeitig ein Sich-Erinnern, ein Aufarbeiten ihrer Familiengeschichte. Denn Metas Großeltern sind ausgewandert und nicht mehr zurückgekehrt in ihr Heimatland. Auch wenn die Orte nicht genannt sind, keinen Namen tragen, so liegt eine Verknüpfung mit der jüngeren Geschichte Südtirols nahe. In Metas Geschichte, die auch als Erwachsene immer noch nach einem Ort des Bleiben-Könnens sucht, flicht die Autorin die Geschichte einer anderen Meta ein: Eine junge Frau verlässt ihre afrikanische Heimat, um in einem anderen Staat als Haushaltsgehilfin zu arbeiten. Auch ihr Freund bricht auf, wagt die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Italien. Meta verschlägt es schließlich ebenfalls nach Italien, wo sie sich irgendwie nach Norden durchschlägt. Die Suche nach einem Ort, an dem sie bleiben können und leben wollen ist das verbindende Element in den Lebensläufen der beiden Frauen.
„Nur ein Wimpernschlag“ ist ein facettenreiches, berührendes, sprachlich sehr behutsames Buch, das zeigt, wie unterschiedlich und dennoch ähnlich Gehen und Bleiben sein können.
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