7.7.17

Liebe am Papierrand

von Yoko Ogawa

Eine junge Frau hat ein rätselhaftes Ohrenleiden. Ihr Mann hat sie verlassen; sie lebt nun allein, ziemlich abgeschottet in einer ein wenig irreal anmutenden Welt. Bei einer Gesprächsrunde begegnet sie einem Mann, der den ungewöhnlichen Beruf des Stenographen ausübt. Sie ist sofort fasziniert von ihm, was vor allem an seinen Händen liegt. Die Beiden begegnen sich wieder. Die junge Frau erzählt dem Mann, den sie kaum kennt, von ihrem Leben und bemerkt dabei, dass es ihr guttut, ihm ihre Geschichte zu erzählen. Er stenografiert das, was sie erzählt, auf ganz besonderen Papierblättern mit, die er eigens für die Erzählungen der jungen Frau, mitbringt. Das Papier scheint kostbar zu sein; der Stapel wird kleiner und kleiner, was die junge Frau mit Sorge erfüllt. Als nur noch wenige Blätter da sind, erfährt sie, dass es kein neues Papier geben wird. Nun erst beginnt sie, sich über den Stenographen zu informieren, sie weiß fast nichts von ihm. Sie sucht den Ort auf, an dem er angeblich arbeitet, und findet ein Haus vor, das gerade leer geräumt wird. Ein Tischler ist damit beschäftigt. Von ihm erfährt die junge Frau eine rätselhafte Geschichte.

Überhaupt ist alles an dem Buch ein wenig rätselhaft: die Krankheit der jungen Frau, das, was sie - scheinbar emotionslos - einem Fremden, gänzlich Unbeteiligtem, erzählt; der Mann selbst, der sich damit begnügt, alles, was erzählt wird, stenographisch festzuhalten, gewissermaßen nur über seine stenographierenden Hände in Erscheinung tritt, sonst aber schweigt. Doch gerade diese zarte Stimmung des Rätselhaften, in der jedes beschriebene Detail der Erzählung an Bedeutungsschwere gewinnt, macht den Reiz dieser mit Sorgsamkeit und Bedacht erzählten Geschichte Yoko Ogawas, einer äußerst erfolgreichen japanischen Schriftstellerin, aus.

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