14.7.17

Rabenfrauen

von Anja Jonuleit

Sommer 1959, im fiktiven Dörfchen Grösitz: Während der letzten großen Ferien vor ihrem Abitur lernen die beiden Freundinnen Ruth und Christa den charismatischen Erich kennen, der mit seiner freikirchlichen Gemeinschaft unter der Führung eines gewissen Paul Schäfer eine Zeltfreizeit in ihrem Ort verbringt. Beide Mädchen verlieben sich in Erich, Ruth behält das allerdings für sich. Sie muss hilflos mit ansehen, wie Christa – blind vor Verliebtheit – sich immer mehr für die religiösen Ideen der Freikirchler begeistert und sich schlussendlich entscheidet, Deutschland zu verlassen, um mit Erich und den anderen Gleichgesinnten in Chile eine eigene Gemeinde, die Colonia Dignidad, aufzubauen.
Jahrzehnte später versucht Anne, Ruths Tochter, nach dem tragischen Verlust ihres Lebenspartners wieder auf die Beine zu kommen. Zufällig lernt sie ein Ehepaar kennen, welches – wie sich später herausstellt – zur Colonia Dignidad gehörte. Nach und nach kommt Anne dem Geheimnis der beiden Freundinnen und den Ereignissen in jenem schicksalhaften Sommer auf die Spur und erfährt erschütternde Details über das Leben in der Colonia Dignidad, der christlichen Sekte. Durch die Nachforschungen ihrer Tochter muss Ruth sich nun unausweichlich ihrer Vergangenheit stellen.

Fazit:
Das Buch hat mich sehr bewegt und erschüttert. Es handelt sich zwar um eine fiktive Geschichte, doch das meiste ist wirklich so passiert. Die Autorin hat intensiv recherchiert, mit Opfern der Sekte gesprochen und den Ort des Geschehens in Chile besucht.
Am Ende der spannenden und emotionalen Lektüre bleibt man sehr nachdenklich zurück. Man fragt sich, wie so etwas möglich ist. Damals wie heute blieb und bleibt diese Frage wohl unbeantwortet…

Empfehlung:
Unbedingte Leseempfehlung – vor allem für jene, die nach Büchern suchen, welche auf wahren Begebenheiten beruhen. Für am Thema Interessierte gibt es im Übrigen auch einen Film, welcher 2016 über die Leinwände lief: „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“.

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