Der dritte Roman des Brunecker Autors Horst Moser kreist um zwei Hauptthemen: Es geht um Macht und Missbrauch von Macht einerseits, um das Leben in einer Kleinstadt, in der sich alle kennen und mehr oder weniger alles voneinander wissen, andererseits. Beide Themen sind ineinander verwoben: Wie gehen die Menschen dieser Kleinstadt – die im Übrigen immer wieder stark an Bruneck erinnert – mit dem Missbrauch von Macht um, vor allem, wenn es den jungen und äußerst beliebten Dekan der Stadt betrifft? Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, es gibt zahlreiche Verdachtsmomente, doch niemand will der Sache wirklich auf den Grund gehen. Schweigen ist oberstes Gebot. Sophie, 26 Jahre alt, in der Kleinstadt geboren, aber im nicht allzu fernen Ausland lebend, wird Jahre später damit konfrontiert. Sie erhält eigenartige Emails, die ihre Neugierde wecken und sie veranlassen, in ihrer Heimatstadt Nachforschungen anzustellen. Was sie entdeckt, ist keine schöne Geschichte. Es ist die Geschichte von Erwin, eines jungen, äußerst begabten Mannes, der vom Dekan „gerettet“ wird. Erwin stammt aus einfachen Verhältnissen, sein Vater hat kein Verständnis für die außergewöhnlichen künstlerischen Fähigkeiten seines Sohnes. Der Dekan versteht ihn, und er missbraucht seine Macht. Doch er ist nicht der einzige: Konrad Hofer, Inhaber von zwei Firmen (Abbau von Schotter, Recycling von Baumaterial), ist der Inbegriff der weltlichen Macht in der Kleinstadt. Ohne ihn läuft nichts, sich gegen ihn zu stellen, ist mehr als ein Wagnis.
Fazit: ein spannender Roman mit markant gezeichneten Charakteren und einem überraschenden Ende.

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