18.1.19

Loyalitäten

von Delphine de Vigan

Das Buch erzählt von Theo, einem 12jährigen Jungen, der in Paris bei seiner geschiedenen Mutter lebt und jede zweite Woche bei seinem Vater verbringt. Soweit scheint alles ganz normal zu sein. Doch Helene, seine Lehrerin, glaubt, dass mit Theo etwas nicht in Ordnung ist. Denn Theo ist auffallend still und apathisch. Dass Helene die falschen Schlüsse aus Theos Verhalten zieht, liegt an den Erlebnissen ihrer Kindheit und Jugend. Theo wird nicht geschlagen, wie Helene vermutet; Theo versucht im Gegenteil seinen Vater zu retten. Das kostet ihn so viel Kraft, dass er und sein Freund Mathis zu trinken anfangen. Mathis, weil es – anfangs zumindest - cool ist in der Schule in einem geheimen Versteck etwas Verbotenes zu tun, Theo, weil er im Alkohol Wärme und Vergessen findet. Er will vergessen, dass sein Vater schon seit Jahren arbeitslos ist, dass er nicht mehr aus dem Haus geht, völlig ungepflegt dahin döst, unfähig, irgendetwas in die Hand zu nehmen. Theo ist es, der versucht, ein wenig Ordnung in die völlig verwahrloste Wohnung zu bringen, das Schlimmste zu verhindern und den Zustand seines Vaters geheim zu halten.

Im Roman kommen verschiedene Personen zu Wort: Helene, die gezeichnet ist von dem, was in ihrer Kindheit und Jugend geschah; Mathis, der seinen Freund nicht verraten will, obwohl er merkt, dass Theo ein gefährliches Spiel spielt; Mathis Mutter, die mit einem Mann verheiratet ist, der sich als unglaubliches Ekel entpuppt. Jede dieser Figuren will sich loyal verhalten, auch wenn sich diese „Loaylitäten“ verhängnisvoll auswirken.
Ein beindruckendes Buch, sehr gut geschrieben, spannend, dramatisch.

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