von Uwe Timm
In vielen Romanen thematisiert der Autor die deutsche Geschichte, in einigen auch seine eigene Familiengeschichte. So ist seine Ehefrau die Enkelin von Prof. Ploetz, dem Begründer der Eugenik, aus der in der Nazizeit die Rassenhygiene und Euthanasie entstanden ist.
Der Roman beginnt mit einem Bild. Ein Junge mit Downsyndrom streift lallend und voller Freude durch die ausgebombten und ausgebrannten Straßen von Hamburg im Frühjahr 1945. Es ist Karlchen, er ist von seinen Eltern 12 Jahre lang versteckt worden. Er wäre sonst von den Nazis getötet worden. Mit diesem beeindruckenden Bild stimmt der Autor auf die Thematik des Romans ein. Hauptfigur des Romans ist der amerikanische Soldat Michael Hansen, Sohn von deutschen Emigranten, der den Auftrag bekommt, Täter und Umfeld der Eugeniker ausfindig zu machen, damit sie vor Gericht gestellt werden. Doktor Ploetz ist zwar tot, aber sein Begleiter und seine Mitstreiter leben noch. Von Frankfurt aus, kommt er in das völlig zerstörte Würzburg, dann nach Coburg und schließlich nach Bayern. Beeindruckend sind der Schilderungen des zerstörten Deutschland. Hansen findet in München den Gehilfen Wagner. Dieser war in den letzten Jahren im Untergrund und hat sich im Keller eines Antiquariats versteckt, inmitten der verbotenen Bücher von Brecht, Thomas Mann und vielen anderen. Als die Amerikaner die Stadt befreien, werden auch die verbotenen Bücher befreit. In Rückblenden erzählt Wagner die Geschichte von Ploetz und der Rassenhygiene.
Timm zeigt sehr eindrucksvoll und detailliert, wie aus dem ursprünglich sozialistisch gesinnten Ploetz, der in Amerika die Ikarier, die im 19. Jahrhundert eine sozialistische Gesellschaftsutopie realisieren wollten, studiert hat, ein Vordenker der Eugenik wurde. Der umfangreiche, detailreiche, aber sehr flüssig geschriebene Roman ist für ein an der Geschichte interessiertes Publikum gerichtet und eher für größere Bestände geeignet. MF
In vielen Romanen thematisiert der Autor die deutsche Geschichte, in einigen auch seine eigene Familiengeschichte. So ist seine Ehefrau die Enkelin von Prof. Ploetz, dem Begründer der Eugenik, aus der in der Nazizeit die Rassenhygiene und Euthanasie entstanden ist.
Der Roman beginnt mit einem Bild. Ein Junge mit Downsyndrom streift lallend und voller Freude durch die ausgebombten und ausgebrannten Straßen von Hamburg im Frühjahr 1945. Es ist Karlchen, er ist von seinen Eltern 12 Jahre lang versteckt worden. Er wäre sonst von den Nazis getötet worden. Mit diesem beeindruckenden Bild stimmt der Autor auf die Thematik des Romans ein. Hauptfigur des Romans ist der amerikanische Soldat Michael Hansen, Sohn von deutschen Emigranten, der den Auftrag bekommt, Täter und Umfeld der Eugeniker ausfindig zu machen, damit sie vor Gericht gestellt werden. Doktor Ploetz ist zwar tot, aber sein Begleiter und seine Mitstreiter leben noch. Von Frankfurt aus, kommt er in das völlig zerstörte Würzburg, dann nach Coburg und schließlich nach Bayern. Beeindruckend sind der Schilderungen des zerstörten Deutschland. Hansen findet in München den Gehilfen Wagner. Dieser war in den letzten Jahren im Untergrund und hat sich im Keller eines Antiquariats versteckt, inmitten der verbotenen Bücher von Brecht, Thomas Mann und vielen anderen. Als die Amerikaner die Stadt befreien, werden auch die verbotenen Bücher befreit. In Rückblenden erzählt Wagner die Geschichte von Ploetz und der Rassenhygiene.
Timm zeigt sehr eindrucksvoll und detailliert, wie aus dem ursprünglich sozialistisch gesinnten Ploetz, der in Amerika die Ikarier, die im 19. Jahrhundert eine sozialistische Gesellschaftsutopie realisieren wollten, studiert hat, ein Vordenker der Eugenik wurde. Der umfangreiche, detailreiche, aber sehr flüssig geschriebene Roman ist für ein an der Geschichte interessiertes Publikum gerichtet und eher für größere Bestände geeignet. MF

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