Von Ruth Hogan
November 2018 (List), 320 Seiten
Maschas Leben orientiert sich an der Wassertemperatur des städtischen
Freibads, in dem sie sich jeden Morgen im „Ertrinken“ übt. Dies ist die
Strafe, die sie sich selbst für Gabriels Tod auferlegt hat. Seit jenem
Tag, der nun schon einige Jahre in der Vergangenheit liegt, hat Mascha
alle Freude, Hoffnung und Lebenslust verloren.
Seitdem verbringt sie einen großen Teil ihrer Freizeit auf dem
Friedhof, wo sie sich um alte und „herrenlose“ Gräber kümmert und mit
den Toten spricht, die sie liebevoll „meine Familie auf der anderen
Seite“ nennt. Eines Tages lernt sie dabei Sally Red Shoes kennen, eine
alte Frau, die Krähen füttert und auf dem Friedhof lauthals singt.
Mascha ist sofort von ihr fasziniert. Auch die neu entstehende
Freundschaft zur 70-jährigen Kitty sorgt für Abwechslung in Maschas
Leben. Als sie dann noch im Schwimmbad den gut aussehenden
„Olympioniken“ kennenlernt, scheint ihr Leben endlich wieder eine
positive Wendung zu nehmen. Allmählich kehren Licht und Farben in ihren
Alltag zurück. Und dann, als das Glück zum Greifen nah scheint, hat auf
einmal die Vergangenheit eine Überraschung für Mascha parat …
Mein Fazit:
Eine exemplarische Geschichte. Manchmal passieren im Leben Dinge, die
ein Weiterleben scheinbar unmöglich machen. Wie findet man dann die
Kraft, wieder aufzustehen? Wie kann man die Vergangenheit, das, was
geschehen ist, loslassen und wieder hoffen? Davon erzählt dieses Buch.
„Vielleicht tanzen wir morgen“ wird aus mehreren Perspektiven
geschildert; dadurch erhält man als Leser*in ein buntes, umfassendes
Bild. Die Figuren des Romans sind komplex und tiefgründig und haben alle
eine bestimmte Motivation für ihr Verhalten – etwas, was man als
Leser*in erst nach und nach erfährt. Keine luftig-leichte Lektüre, aber
so gefühlsnah und so spannend, dass man das Buch am liebsten gar nicht
mehr aus der Hand legen würde. Sehr empfehlenswert!
Empfehlung:
Für erwachsene Leser*innen.
Silvia Griessmair, Stadtbibliothek Bruneck
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