von Tania Witte
März 2019 (Arena), 296 Seiten
Manchmal, wenn ich bei einem Buch nicht weiter weiß, frage ich meine Lieblingskollegin, ob sie es auch lesen würde. Manchmal macht sie das auch. Manchmal sind wir danach zu zweit keinen Deut klüger. Manchmal holen wir uns dann Hilfe bei verschiedenen Rezensent*innen. Um die traurige Gewissheit zu haben, dass nicht alle Rezensent*innen die Bücher, die sie besprechen, auch wirklich lesen. Also bin ich wieder mir selber überlassen.
Mara fährt die Straßenbahn vor der Nase weg. Das entpuppt sich im Nachhinein als größter Glücksfall ihres Lebens. Auf die Bahn, die sie versäumt hat, hat es nämlich einen Terroranschlag mit unzähligen Toten gegeben. Völlig ungläubig verfolgt Mara die Berichterstattung im Fernsehen. Ihre Strategie, zu tun als sei nichts geschehen, funktioniert nicht wirklich. Und bald weiß die ganze Schule Bescheid: Sie ist eine Überlebende. Der Vlogger Chriso interessiert sich plötzlich für sie und will sich mit ihr treffen, ist er doch scheinbar auch gerade eben dem Tod entronnen. Mara ist hin- und hergerissen: einerseits ist sie in Chriso verknallt, andererseits auf der Hut vor ihm und möchte kein Objekt seines Vlogs werden. Doch noch ein anderes Problem beschäftigt Mara. Ihre allerallerliebste Freundin Shirin, Tochter irakischer Flüchtlinge, ist plötzlich für sie nur noch sporadisch erreichbar. Am Tag des Attentats hat Maras Mutter versehentlich Shirins Alibi platzen lassen. Shirin nutzt Mara des Öfteren, um ihrem strengen Elternhaus zu entkommen … Mara ist fast verrückt vor Angst, Shirin könnte von ihrer Familie in den Irak oder in die Türkei verschleppt worden sein.
Mein Fazit:
Das Ende trifft mich als Leserin und wahrscheinlich alle anderen auch wie ein Faustschlag aus dem Nichts. Es ist durchaus stimmig, doch finde ich es zu kurz und nicht wirklich verständlich beziehungsweise ärgert mich die nicht vorhandene Vorhersehbarkeit. Ab 12 ist als Altersempfehlung bestimmt nicht richtig, ich würde ab 14 Jahren vorschlagen. Auch da braucht es einiges an Übung, damit man mit dem Text zurechtkommt.
Empfehlung:
Ein wichtiges Buch, ich traue mich mal zu sagen, in der Umsetzung wäre noch Luft nach oben gewesen. Vielleicht auch nur für den Erwachsenenbuchbereich.
Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck
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