22.1.21

Wer ist Edward Moon?

von Sarah Crossan
Oktober 2019 (mixtvision), 357 Seiten

Gute Frage, die das Buch bis zum Ende nicht beantwortet. Warum ich es trotzdem gelesen habe? Weil ich das Ende noch nicht kannte. Schlechter Scherz, ich weiß. Sarah Crossan schreibt in freien Versen. Das kann man mögen oder nicht. Ihre Romane sind große Geschichten in wenigen, genau gewählten Worten. Vielleicht altbacken, vielleicht zeitgeistig, wer weiß das schon so genau.
Eds alkohol- und drogenabhängige Mutter (Sarah Crossans Erwachsene sind immer dreifach gescheiterte Existenzen) hat drei Kinder aus verschiedenen Beziehungen. Ed, Joe und Angela haben keine sich kümmernde Mutter, sie kümmern sich umeinander und sie haben eine resolute Tante, die immer mal wieder nach dem Rechten sieht. Aber auch sie kann nicht verhindern, dass Ed auf die schiefe Bahn gerät und als angeblicher Mörder zum Tode verurteilt wird. Zehn Jahre sitzt er im Gefängnis, bis es auf einmal nur noch acht Wochen sind bis zur Vollstreckung des Todesurteils. Joe will Ed auf keinen Fall alleine lassen und macht sich auf den Weg zu ihm. Zehn Jahre Gefängnis haben die beiden Brüder gezeichnet. Die Situation scheint aussichtslos, doch stirbt die Hoffnung erst ganz zuletzt.

Mein Fazit:
Typisch Sarah Crossan, die es dem/der Leser*in überlässt, zwischen den Zeilen und nach den Absätzen zu lesen, zu verstehen oder nicht, weiterzudenken oder zu reflektieren. Wie immer genial übersetzt von Cordula Setsman.

Empfehlung:
Gut sichtbar an der Theke positionieren und einer/m versierten Leser*in in die Hand drücken. Braucht Werbung.

Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck

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