18.2.22

In diesen Sommern

von Janina Hecht
Juli 2021 (C.H. Beck), 175 Seiten

Die Autorin erzählt in diesem schmalen Band von einer Familie, in der der Vater dem Alkohol verfallen ist, was die Ich-Erzählerin, sie ist das älteste Kind, erst nach und nach begreift. In kurzen Rückblenden schildert sie die oft dramatischen Vorfälle: immer wieder Streit zwischen Vater und Mutter, Abbruch von Urlaubsreisen, Aggressionen des Vaters ihr und ihrem Bruder gegenüber, plötzliche Krankenhausaufenthalte des Vaters; dann die Trennung, was vor allem der Mutter nicht leicht fällt.

Beeindruckt hat mich an dieser Geschichte vor allem eines: Dass kein Schwarz-Weiß-Bild des Vaters gezeichnet wird, dass keine Verurteilung stattfindet, aber auch keine Verdrängung des Geschehenen. Die Ich-Erzählerin erinnert sich nicht nur an den aggressiven, bösen Vater; sie erinnert sich auch an den rücksichtsvollen, den liebenden, den fürsorglichen. Und sie erzählt davon, wie der Vater in der Familie mehr und mehr zum Geist wurde, abwesend trotz physischer Anwesenheit, schweigsam, in sich gekehrt, verlassen und wohl zutiefst unglücklich.

Mein Fazit:
Ein absolut überzeugendes Buch, das davon erzählt, wie eine Betroffene nach und nach lernt, ihren Vater nicht zu verdammen, aber auch nicht zu entschuldigen.

Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

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