Schauplatz der Handlung ist ein Dorf im Unteren Odertal an der deutsch-polnischen Grenze in der ehemaligen DDR. Micha lebt dort, nachdem er vom Psychologiestudium ausgeschlossen wurde, auf dem Hof seiner Großeltern, ohne fließendes Wasser und ohne nennenswerte Kontakte zu den anderen Dorfbewohnern. Er verfügt über die Fähigkeit, Menschen zu hypnotisieren. Dies spricht sich herum und so kommen immer mehr Menschen, vor allem Frauen, aus dem fernen Berlin zu ihm und unternehmen im Traum jene Reisen - vor allem in den Westen -, die sie schon immer machen wollten, die ihnen als Bürger der DDR aber nicht erlaubt waren.
Bald stößt eine tüchtige Frau zu ihm, der Hof wird renoviert und das Geschäft floriert. Zimmer werden vermietet, einige Frauen entscheiden sich am Hof zu bleiben und machen selbst eine Hypnose-Ausbildung. Das kann in einem Dorf in der DDR, wo jeder jeden kennt und die Stasi jede Abweichung vom sozialistischen Lebensstil argwöhnisch beobachtet, nicht gut gehen. Im Dorf vermutet man, dass auf dem Bauernhof eine Sekte entsteht und Reisen in den Westen organisiert werden. Das Experiment endet mit einem großangelegten Aufmarsch der Stasi und der Festnahme der anwesenden Frauen und von Micha.Mein Fazit:
Das Leben auf dem Hof und in der DDR wird aus der Perspektive mehrerer Frauen beschrieben, so dass man ein facettenreiches Bild bekommt. Jakob Hein, Psychiater und Autor, gelingt es sehr gut, die Atmosphäre in der DDR zu beschreiben: Im Dorf weiß jede/r über jede/n Bescheid, alle versuchen, den Staat und seine Regeln zu umgehen und sich Vorteile zu verschaffen. Dies beschreibt der Autor mit einem feinen ironischen Ton, sodass man beim Lesen immer wieder schmunzeln muss. Gleichzeitig lässt uns der Autor erahnen, welche Macht uns durch die Phantasie gegeben ist, die Vorstellungskraft gibt uns die Möglichkeit, Grenzen zu überwinden.
Empfehlung:
Dieser Roman ist für viele geeignet: Die einen erinnern sich an das, was man über die DDR gehört, gelesen und gesehen hat, für andere kann es eine Annäherung an die Geschichte des Alltags in der DDR sein. Faszinierend ist aber auch die Beschreibung der Welt der Phantasie, der Vorstellungskraft, der Träume.
Mathilde Aspmair

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