In ‚Löwenherz‘ erzählt Monika Helfer das dritte Mal aus der Geschichte ihrer Familie. Erwarten darf man sich dabei keine glatt erzählte Familienstory. Das Buch ist herausfordernd. Zuweilen denkt man, dass es so etwas gar nicht geben könne, dass es so nicht habe sein können.
Monika Helfer erzählt die Geschichte ihres Bruders Richard. Er wird nicht alt, dieser Bruder, der von seinen Schwestern geliebt wird, aber getrennt aufwächst. Der vom Vater präferiert, aber allein gelassen wird. Der von der Tante er- und verzogen, aber nicht verstanden wird. Auch Monika Helfer versteht ihn zuweilen nicht wirklich, und so hält sie beim Niederschreiben der Geschichte Zwiesprache mit ihrem jetzigen Mann, dem Autor Michael Köhlmeier, der damals ihr Geliebter und Richard ein Freund war. Köhlmeier erklärt ihr den Bruder, wie er ihn gesehen hat - sein Handeln und auch manchmal seine Gefühlswelt. Diese erschließt sich Monika Helfer offensichtlich während des Schreibens. Richard ist nicht wirklich ein Gefühlsmensch, nicht empathisch, hat nur einmal geliebt und ist daran zerbrochen.Mein Fazit:
Das Buch liest sich leicht und dann doch wieder nicht. Es besticht durch Monika Helfers Gefühl für die feine Sprache, mit der sie nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern den Leser über diese Sprache teilhaben lässt, wie ihr der Bruder in Erinnerung ist!
Elfriede Eder, Franziskanergymnasium Bozen

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen