16.12.22

Auf der Lauer liegen

von Liz Nugent
August 2022 (Steidl), 352 Seiten

Die Autorin wird als die neue Königin des irischen Krimis bezeichnet, und in der Tat: Der Krimi hat es in sich. Er hat es so sehr in sich, dass ich noch zu später Stunde unbedingt fertig lesen musste; keine kluge Entscheidung, denn das Ende bescherte mir einen unruhigen und schlechten Schlaf.

Lydia Fitzsimons hat ein schönes Leben: Ihr Mann ist Richter, bringt so viel Geld nach Hause, dass sie mehr als gut leben können. Lydia muss nicht arbeiten, sie kann sich ganz ihrem einzigen Sohn widmen. Ein sehr gutes Leben, das in geordneten Bahnen verläuft, wäre da nicht Lydias Wunsch nach einem zweiten Kind. Für diesen Wunsch ist sie bereit, jedes Opfer zu bringen, wobei, genau genommen, nicht sie es ist, die jedes Opfer bringt, sondern ihr Mann, dann ihr Sohn. Lydia entpuppt sich, je mehr man in die Geschichte eindringt, als boshaft, grausam, egoistisch, manipulativ, ohne dass sie dies je einsehen würde. Ihre Eigenwahrnehmung ist eine völlig andere. Und so nehmen die Dinge eben ihren Lauf und sind – leider – nicht mehr aufzuhalten.

Mein Fazit:
Ein spannendes, irritierendes Buch, das in jeder Bibliothek seinen Platz und seine Leser*innen finden kann.

Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

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