13.1.23

Automaton

von Berit Glanz
Februar 2022 (Berlin Verlag), 288 Seiten

Die Protagonistin Tiff, eine junge alleinerziehende Mutter, leidet an einer Angststörung, wodurch sie ganz alltägliche Dinge wie das Einkaufen oder schlichtweg das Verlassen des Hauses kaum zu bewältigen vermag. Hervorgerufen wurde diese durch das wochenlange Prüfen und Katalogisieren von zerstörenden Bildern unter Zeitdruck in ihrem schlecht bezahlten Job als Content-Cleanerin.

Zum Glück gibt es Mikael, der zwar nur sporadisch anwesend ist, sie aber nicht nur finanziell, sondern auch moralisch unterstützt. Und die ältere Dame im Haus, die auch als Ersatz-Oma funktioniert und einspringt, wenn Tiff, gelähmt vor Angst, nicht für ihren Sohn da sein kann. Ein zweiter Erzählstrang führt uns in die Vereinigten Staaten, wo die Autorin ebenso das Thema der prekären Arbeitsverhältnisse anspricht, in denen Angestellte miserablen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. In ihrem neuen, ebenfalls schlecht bezahlten Klick-Job muss Tiff nun Aufnahmen von Überwachungskameras auswerten. Dabei meint sie, auf ein Verbrechen oder zumindest ein Unglück gestoßen zu sein. Austauschen kann sie sich nur über Chat mit ihren Kolleginnen der Billiglohn-Firma und trotz der Gefahren, die diese Kommunikation mit sich bringt, ist Tiff fest von ihrem Tun überzeugt. Sie macht sich auf die Suche nach dem mutmaßlich Verschwundenen, und hier verschmelzen die beiden Erzählstränge durch die Menschlichkeit und Solidarität in einer digitalen Gemeinschaft von Gleichgesinnten und gleichzeitig Benachteiligten.

Mein Fazit:
Durch die kriminalistische Wende im Buch will man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Auch wenn Glanz‘ Roman sprachlich nicht wirklich heraussticht, so fesselt es durch aktuelle Thematiken und die Wichtigkeit der Solidarität, die, wie es scheint, auch in einer digitalen Welt möglich ist.

Empfehlung:
Für alle Bibliotheken, junge Erwachsene und LeserInnen, die gerne Bücher mit kriminalistischen Zügen kombiniert mit gesellschaftskritischen Inhalten lesen.

Heidi Erschbamer, LB "Dr. F. Teßmann"

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