von Andrea Sawatzki
Februar 2022 (Piper), 176 Seiten
Die bekannte Filmschauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki beschreibt in diesem stark autobiografischen Roman ihre Kindheit und Jugend. Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebt sie mit ihrer Mutter in einem Dorf; die Mutter ist berufstätig und alleinerziehend, Andrea hat viel Freiheit und bewegt sich gerne draußen in der Natur, sie ist glücklich. Dann zieht sie mit der Mutter zu ihrem Vater in die Brunnenstraße.
Sie hofft, nun endlich in einer glücklichen kleinen Familie leben zu können. Doch daraus wird nichts. Bald schon zeigen sich bei ihrem Vater Zeichen einer beginnenden Demenz. Da er nicht für den Erhalt der Familie sorgen kann, muss die Mutter als Krankenschwester Nachtschichten übernehmen, Andrea muss sich um den Vater kümmern. Die Krankheit wird immer schlimmer, die Familie schottet sich vollkommen von den Nachbarn und Freunden ab, auch weil die Umgebung wenig Verständnis für die Familie hat. Die Pflege des Vaters wird immer anspruchsvoller, Andrea ist völlig überfordert, sie kann nachts nicht durchschlafen, ihre schulischen Leistungen verschlechtern sich zunehmend. Die negativen Gefühle ihrem Vater gegenüber nehmen zu, sein Tod erscheint ihr anfangs als Befreiung. Erst später kann sie ihrem Vater gegenüber positive Gefühle entwickeln.Mein Fazit:
Das Buch ist sehr beeindruckend. Besonders berührend sind die Abschnitte, in denen die Autorin ihre Hilflosigkeit beschreibt, ihre negativen Gefühle dem Vater gegenüber. Die familiäre Situation zwingt sie zu einem Leben als Pflegende, als Verantwortliche für den kranken Vater, zu dem sie in ihrer Kindheit keine Beziehung aufbauen konnte. Der Roman schildert die Atmosphäre der 70er Jahre, ist aber auch sehr aktuell und lässt die Hilflosigkeit von Angehörigen dementer Menschen erkennen.
Empfehlung:
Das Buch empfehle ich all jenen, die autobiografisch geprägte Romane mögen und verstehen wollen, was in einem jungen Mädchen in einer solchen Situation vor sich gehen kann.
Mathilde Aspmair
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