14.4.23

Meter pro Sekunde

von Stine Pilgaard
Februar 2022 (Kanon), 255 Seiten

Die Ich-Erzählerin, eine junge Frau, zieht mit ihrem Partner und ihrem ein paar Monate alten Baby in ein Dorf in Dänemark irgendwo in Westjütland. Er arbeitet dort als Lehrer in einer Heimvolkshochschule, das ist eine Art Internat, die Lehrpersonen leben auf dem Schulgelände und die Familienangehörigen sind als „Anhängsel“ mit dabei. Sich in das Dorfleben zu integrieren, fällt alles andere als leicht.

Die Bewohner des Dorfes sind sehr wortkarg, die Erzählerin selbst ist sehr gesprächig, und obwohl sie eifrig die Gesprächsführung mit den Bewohnern übt, scheitert sie immer wieder, schießt über das Ziel hinaus. Sie bekommt eine Anstellung bei einer Zeitung und ist da für den Kummerkasten verantwortlich. Die eingehenden Briefe beantwortet sie meist ausführlich bis abschweifend und vielfach mit einem ironischen Unterton. Sie versucht sich auch als Songwriterin, sie schreibt alte dänische Liedtexte um. Ihr Kind bereitet ihr viele schlaflose Nächte und wohl auch deshalb braucht sie ganze 87 Fahrstunden und die fast übermenschliche Geduld vieler Fahrlehrer und einer Fahrlehrerin, bis sie endlich die Prüfung besteht. Einzig von einer Freundin fühlt sie sich erstanden, diese ist genauso unangepasst wie sie.

Mein Fazit:
Es braucht ein bisschen, bis man ganz im Text ist, dann aber kann man die Beschreibung des Alltags zwischen Mutterschaft, Arbeit, Leben in der Gemeinschaft und Fahrstunden mit Genuss lesen. Das Dorfleben mit all seinen Licht- und Schattenseiten und in all seiner Langeweile zieht an uns vorüber. Alltag und Leben in der Gemeinschaft werden mit viel Humor und Wortwitz beschrieben.

Empfehlung:
Wer sich und seinen Alltag nicht immer todernst nimmt, soll zu diesem Roman greifen. In Dänemark wurde der Roman zu einem großen Erfolg.

Mathilde Aspmair

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