28.4.23

Hannas Regen

von Susan Kreller
September 2022 (Carlsen), 192 Seiten

Es interessiert mich nicht so sehr, was Susan Kreller schreibt, es interessiert mich mehr, wie sie das tut. Ich gebrauche das Wort „fulminant“ für ihren Schreibstil. Für ihren Sprachwitz, ihre messerscharfe Beobachtungsgabe, ihre unglaublichen Sprachbilder, die Explosionen im Gehirn auslösen.

Es regnet viel in „Hannas Regen“ und Hanna geht nicht in „Scherm“. Sie stellt sich nirgendwo unter und hat weder Schirm noch Jacke. Völlig durchnässt taucht sie in Josefins Klasse auf. Und Josefin ist ja eigentlich auch die Hauptfigur, nicht Hanna. Josefin, auf die man sich verlassen kann. Josefin, die ein bisschen unsichtbar ist, die keine Freund*innen hat und die jetzt neben Hanna sitzen darf soll muss, was auch immer. Hanna ist – nun ja was? Gestört? Krank? Einfach nur komisch? Susan Kreller schafft es, dies bis zum Schluss offen zu lassen. Derweil kriegt Josefin die gesamte Bandbreite von Hannas Verhalten ab. Hanna, die nicht aufs Klassenfoto will, die über lange Strecken nicht spricht, die durchdreht, als ein Polizist die Klasse betritt. Und Hanna, die bei Josefin zu Hause zu Abend isst, die „normal“ sein kann, die fast eine Freundin ist. Josefins Mutter ist überzeugt davon, dass Hannas Familie in einem Zeugenschutzprogramm ist. Darüber kann Josefin nur lachen. Die Wirklichkeit ist um einiges schlimmer.

Mein Fazit:
Wieder ein ganz großer sprachlicher Wurf von Susan Kreller. Sensible Themen angehen können viele Jugendbuchautor*innen, aber es gibt nur eine Susan Kreller.

Empfehlung:
Ein extravagantes Jugendbuch, das ich auch Erwachsenen ans Herz legen möchte. Eine Sprache wie ein Wiesenblumenstrauß.

Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck

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