5.5.23

Zwischen Welten

von Juli Zeh und Simon Urban
Januar 2023 (Luchterhand Literaturverlag), 448 Seiten

Theresa und Stefan kennen sich seit ihrem Studium, verlieren sich dann aus den Augen und laufen sich nach 20 Jahren wieder über den Weg. Er ist Journalist bei der größten deutschen Wochenzeitung „Der Bote“, engagiert sich gegen Klimawandel und für gendergerechte Sprache, sie hat in Brandenburg den Hof ihres Vaters übernommen, ihr Bio-Milchhof kann kaum überleben. Die beiden entscheiden, in Kontakt zu bleiben, und so schreiben sie sich zwischen Jänner und Oktober 2022 unzählige E-Mails und WhatsApp-Nachrichten; sie berichten über ihr Leben, die Herausforderungen im jeweiligen Beruf, sie diskutieren über aktuelle Themen wie Rassismus und Krieg und die Macht der sozialen Medien. Manchmal gelingt eine Annäherung, doch immer wieder wird klar, wie unterschiedlich sie über die Klimakrise, über Landwirtschaft und Landwirtschaftspolitik denken. Vor allem haben sie sehr unterschiedliche Auffassungen über die Bewältigung der Krisen. Während Stefan trotz einiger Schwierigkeiten in der Redaktion einen weiteren Karrieresprung bei der Zeitung macht, fordert Theresa, dass nicht über gendergerechte Sprache diskutiert wird, sondern endlich etwas getan wird, um den Landwirten das Überleben zu garantieren. Sie verstrickt sich immer stärker in gefährliche Aktionen und bricht am Ende den Kontakt zu Stefan ab.

Mein Fazit:
Dieser moderne Briefroman behandelt viele aktuelle Themen. Es geht um den Gegensatz zwischen Stadt und Land und die Frage der Zukunft der Landwirtschaft zwischen Ökologie und Rentabilität für die Bauern, zentrale Themen bei Juli Zeh. Es geht auch um verschiedene Formen des Rassismus, vor allem aber um die Macht der sozialen Medien und die Diskussionskultur in den Medien. Einiges mag im Roman überzeichnet sein, aber er spiegelt doch viele Polarisierungen in unserer Gesellschaft wieder.

Empfehlung:
Der Roman eignet sich für alle, die an aktuellen Themen interessiert sind. Fans von Juli Zeh werden gerne zu diesem Buch greifen.

Mathilde Aspmair

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