In einem Kanal Venedigs dümpelt eine Wasserleiche vor sich hin. Es gibt keine Vermisstenmeldungen, und die einzigen Merkmale sind ein teurer Lederschuh und ein Stiernacken, der auf eine außergewöhnliche Krankheit schließt. Erst als der Mann identifiziert ist und sich Commissario Brunetti näher mit ihm befasst, entdeckt er, dass es sich um einen durchaus beliebten, einfühlsamen Mann handelte, der als Tierarzt für ein großes Schlachthaus in Mestre arbeitete. Immer öfter muss Brunetti deshalb aufs Festland, um der Lösung des Falls näher zu kommen, und er deckt dabei böse Machenschaften in der Schlachthofbranche auf.
Dass Donna Leon so großen Erfolg hat, liegt meiner Meinung nach nicht daran, dass die Kriminalfälle extrem spannend und nervenkitzelnd wären. Vielmehr erlebt der Leser Venedig, wie es pulsiert und atmet, seine verwinkelten Gassen und überlaufenen Plätze in den Sommermonaten, aber eben auch, wie nach der Saison die Stadt überschwemmt wird und kalte Winde über die bekannten Bauwerke pfeifen. Der Leser fiebert mit, was es für Brunetti wohl zum Mittagessen geben wird, und ist im Geiste bei jedem Kaffee mit Tramezzino mit dabei. Dass es sich außerdem um eine interessante Geschichte handelt, die sich in einer bekannten Stadt mit einer nachdenklichen Hauptperson abspielt und die gewürzt ist mit Sozialkritik, Stadtgeschichte, einer gewissen Politikmüdigkeit, wie man sie in Italien durchaus beobachten kann, und einem Aufgreifen von aktuellen Problemen - wie in diesem Fall der Umgang mit Tieren auf Schlachthöfen - ist Dreingabe.
Breit empfohlen für alle Bibliotheken, da Donna Leon immer Abnehmer findet.

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