2.3.18

Qualityland

von Marc-Uwe Kling

Sie möchten, passend zum Jahresbeginn, einen Blick in die Zukunft werfen? Dann lesen Sie diesen Roman, der es sogar auf die Bestsellerliste des Spiegels geschafft hat.
Der Autor zeichnet das Bild einer durchaus denkbaren Welt, die in einer nicht allzu fernen Zukunft liegt. Der Reiz des Buches liegt nämlich vor allem darin, dass Kling Entwicklungen, die sich bereits jetzt, also ganz konkret in unserem gegenwärtigen Leben und in unserer Gesellschaft ziemlich deutlich abzeichnen, weiterdenkt: Alles, was im Roman passiert, ist nicht nur vorstellbar, sondern absolut möglich, ja vielleicht sogar ziemlich wahrscheinlich. Qualityland ist die beste aller Welten, das zumindest ist das Motto, ein Motto, das sich allerdings alsbald als Lüge entpuppt. Denn in Wirklichkeit sind die Bewohner*innen von Qualityland Marionetten, Spielbälle einer digitalisierten und technisierten Welt, in der es letztlich einzig um die Steigerung von Konsum zum Wohle einiger weniger Mächtigen geht. Das Internet ist längst zu einem Instrument der Manipulation geworden: Über undurchschaubare und vor allem geheim gehaltene Algorithmen wird von jedem Menschen ein Profil angelangt, das dieser weder beeinflussen noch ändern kann. Dieses Profil ist sozusagen die Person, auch wenn diese sich nicht darin wiedererkennt. Es schreibt ihm seine Freundschaften, die Wahl der Partner*innen vor; es sendet „maßgeschneiderte“ Kaufempfehlungen und Produkte, ja es stuft Menschen in Kategorien von erfolgreichen und weniger erfolgreichen ein. Dies wiederum hat z.B. Auswirkungen auf die Leistungen der Krankenversicherung. Wer tief eingestuft ist, bleibt ein Mensch dritter Klasse. Die Hauptfigur des Romans ist so ein Mensch dritter Klasse, ein Loser eben, der sich irgendwie durchschlägt und es wagt, sich gegen das allmächtige System aufzulehnen, indem er z.B. intelligente Maschinen vor der gesetzlich vorgeschriebenen Verschrottung rettet. Denn in Qualityland darf nichts wiederverwertet oder repariert werden. Wozu auch?
Dass es den Roman in zwei Fassungen gibt, macht die Lektüre noch interessanter: Marc Uwe Kling bietet nämlich zwei Ausblicke in die Zukunft – einen eher düsteren und einen etwas optimistischeren.

Fazit: 
Ein Buch für alle, die gerne einen Blick in die Zukunft werfen, auch wenn sie nicht Anhänger der sogenannten „fantastischen“ Literatur sind.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen