22.7.22

Der Markisenmann

von Jan Weiler
März 2022 (Heyne), 336 Seiten

Hier erzählt eine junge Frau rückblickend von dem bedeutendsten Sommer in ihrem Leben. Das war jener, den sie als 15-Jährige nicht mit ihrer Familie in Miami verbringen durfte, sondern zur Strafe zu ihrem leiblichen Vater in den Ruhrpott geschickt wurde, zu einer ihr völlig unbekannten Person. In ihrer Familie gibt es keine finanziellen Sorgen, aber viel Langeweile und Unzufriedenheit. Ganz anders ist es bei Ronald Papen, dem Markisenmann.

Ihr Vater ist nämlich nicht wohlhabend, sondern muss täglich versuchen, seine altbackenen Markisen an den Mann zu bringen. Das ist gar nicht so einfach, aber er lässt sich nicht unterkriegen und ist trotzdem mit seinem einfachen Leben voll zufrieden. Bei ihm lernt die junge Kim ganz neue Werte kennen. Wie wir es von Jan Weiler gewohnt sind, erzählt er hier eine amüsante Geschichte, die uns mitnimmt in das tägliche Leben dieses heranwachsenden Menschen, mit allen Träumen, Sorgen und Gefühlen. Der Autor wirft dabei gekonnt einen Blick auf die DDR und die geschichtliche Entwicklung der letzten 50 Jahre in Deutschland. Die Protagonisten sind mit viel Gefühl und Humor gezeichnet, was dieser Vater-Tochter-Beziehung auch noch genügend Spielraum für eine gewisse Situationskomik gibt.

Mein Fazit:
Für mich eine schöne Geschichte über Freundschaft, Erziehung, Liebe, Schuld und Mitgefühl, gespickt mit einigen bekannten Lebensweisheiten, die mitunter sehr skurril daherkommen, aber immer ein Lächeln hervorzaubern. Was wünscht man sich mehr?

Nelly Gamper, Bibliothek Haslach

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