8.7.22

Die Ungeduldigen

von Véronique Olmi
Februar 2022 (Aufbau), 448 Seiten

Die Handlung spielt in Frankreich in den 1970-ern. Drei Schwestern, Hélène, Sabine und Mariette, leben mit ihren sehr katholischen Eltern in Aix-en-Provence. Der Vater ist Grundschullehrer an einer katholischen Privatschule, die Mutter, wie es sich gehört, Hausfrau. Es ist nie genug Geld da, denn der Lohn Brunos ist gering. Die drei Mädchen werden katholisch erzogen, es wird vor dem Essen gebetet, eine fromme Familie eben. Doch die Zeiten sind im Umbruch.

Frauen stellen Forderungen, in Paris und anderswo in Frankreich. Forderungen nach mehr Rechten, der Pille, sie wollen über ihren Körper verfügen, sie wollen lieben, wen sie wollen, und abtreiben, wenn es erforderlich ist. Kurz: Sie wollen über ihr Leben und ihren Körper selbst bestimmen. Agnès und Bruno können diese Entwicklungen nicht gutheißen, sie haben Angst davor. Dennoch können sie sich ihnen nicht ganz verschließen, die Veränderungen brechen auch über ihre Familie herein. Agnès freundet sich mit einer für ihre Begriffe sehr freizügigen Frau an; sie besorgt ihrer Tochter Sabine die Pille, aus Angst, dass diese ungewollt schwanger werden könnte, und begeht damit einen absoluten Tabubruch. Und dann will Agnès plötzlich einen Beruf. Sie wird – gegen Brunos Widerstand – Briefträgerin, was zwar ein schlecht bezahlter Job ist, ihr aber zumindest etwas Geld einbringt. Hélène hat es besser als ihre Schwestern, denn sie wird, schon seit sie klein ist, zu ihrer reichen Tante nach Neuilly geholt. Denn so will es der Mann der Tante. David Tavel ist reich und einflussreich. Er mag Hélène und unterstützt sie. So kann sie in Paris studieren.

Mein Fazit:
Damit ist die Handlung des Buches keineswegs nacherzählt, es sind dies nur einige Eckpunkte der facettenreichen Familiengeschichte, die die französische Starautorin Véronique Olmi gekonnt, spannend und mit viel Gefühl für die historischen Hintergründe erzählt. Das Buch endet mit dem Wahlsieg des Sozialisten Mitterrand. Damit scheint eine neue Ära eingeleitet. Alles ist im Umbruch.

Empfehlung:
Ein absolut empfehlenswertes Buch, vor allem für all jene, die Familiengeschichten lieben.

Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen