von Matthias Nawrat
Lipa ist dreizehn Jahre alt; sie lebt mit Vater, Mutter und jüngerem Bruder im Schwarzwald. Soweit könnte alles ganz normal sein, wenn da nicht die Sache mit dem Unternehmertum wäre. Lipas Vater ist nämlich Unternehmer, so bezeichnet er sich und seine Kinder, d.h. er sammelt Schrott aus alten aufgelassenen Fabriken, von denen es im Schwarzwald jede Menge gibt. Spätestens daran erkennt die Leserin, dass die Geschichte in der Zukunft angesiedelt ist, einer Zukunft, die allerdings weder so fern noch so utopisch scheint.
Geld und Arbeit sind in den großen Städten konzentriert; auf dem Lande gibt es Arbeitslose, Herumlungernde, keine oder kaum Krankenversorgung, die Schule ist kein Muss mehr, wer nicht hingeht, ist selber Schuld, nützen tut ein Schulbesuch aber eh nichts. Die Menschen haben zwar ein Dach über dem Kopf, das ist aber auch schon so ziemlich alles, was sie haben.
Also werden Familien eben zu Unternehmern. Doch Unternehmer sein, ist gefährlich: Lipas Bruder hat bereits einen Arm verloren, als er auf der Suche nach Material in eine alte Fabrik eingestiegen ist. Auch vor aufgelassenen Atomkraftwerken schrecken Unternehmerfamilien nicht zurück.
Erzählt wird die Geschichte aus Lipas Sicht. Lipa bedient sich dabei einer sehr eigenwilligen Sprache: Erschreckende Fakten werden in eine blumige Sprache verpackt, die die Grausamkeit und Aussichtslosigkeit eines derartigen Lebens doch nicht zu verschleiern mag. Verstärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass sich das Geschehen nicht irgendwo in einer abstrakten Zukunft, sondern an einem sehr realen Ort abspielt.
Ein bitterböses Buch, das gerade deshalb betroffen macht, weil es ein durchaus realistisches Szenario entwirft.

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