25.6.21

Nach vorn, nach Süden

von Sarah Jäger
März 2020 (Rowohlt Taschenbuch), 224 Seiten

Der Debütroman von Sarah Jäger ist ein Roadmovie par excellence. Die Hauptfigur, von allen wenig liebevoll „Entenarsch“ genannt, ist schuld daran, dass Jo verschwunden ist. Einfach weg. Und weil sie die einzige aus der Hinterhofclique ist, die über Auto und Führerschein verfügt, ist klar, wer den alten Corsa steuert. Im Schlepptau: Marie, Jos Ex-Freundin, und Can. Es ist Sommer, es ist heiß und sie haben bald auch eine heiße Spur.

Doch zuerst geht es zurück in den Hinterhof zum Penny-Markt. Die zweite Station ist ein Rockfestival, kurz vor dem Ziel bleibt der Corsa mit Motorschaden hängen. Mit dabei neben den drei schon bekannten: Vika, Ex-Freundin von Otto, mit dem sie die einjährige Fine hat, und das Kind. Auf dem Festival kommt alles zusammen, nur Jo taucht nicht auf. Im geliehenen Camper und mit noch ein paar mehr Freunden an Bord geht es nach Ulm, wo Jo bei einem Freund aus Kindertagen vermutet wird. Auch dort ist er nicht – mehr. Und plötzlich versteht die Hauptfigur, wo sie suchen muss. Sie lässt alle zurück und fährt an die Nordsee – und findet Jo. Sehr authentische Geschichte um Jugendliche, die als einzige Perspektive den Penny-Markt haben – oder zumindest scheint es so. Am Ende hofft man auf etwas anderes. Themen: Freundschaft, Liebe, Sexualität, junge Mütter, Trennungen, Eifersucht, Bodyshaming. Köstlich die Szenen, wo Entenarsch mit dem Auto kämpft. Autofahren will gelernt sein.

Mein Fazit:
Unglaublich liebevoll mit viel Respekt vor den „kleinen Leuten“ gemacht, sehr realistisch.

Empfehlung:
Wer keinen Jugendbuchbereich hat, kann den Roman in den Erwachsenenbereich stellen. Super für alle, die gerne ein paar Jährchen zurückschauen. Man findet sich so toll wieder!

Michaela Grüner, Stadtibliothek Bruneck

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