29.9.23

White Bird - Wie ein Vogel

Von Raquel J. Palacio
Februar 2023 (Hanser), 288 Seiten

Palacios Roman „White Bird“ spielt in Frankreich zur Zeit des Nationalsozialismus. Sara ist 12, einziges Kind von intellektuellen Eltern und dementsprechend verwöhnt. Ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter lehrt Mathematik an der Universität. Sie hat Freundinnen, geht zur Schule, mag Mathe nicht besonders, aber ist fürs Zeichnen sehr zu haben. Ihr Skizzenblock ist ihr ständiger Begleiter. Doch plötzlich verändert die Stadt ihr Aussehen. Hakenkreuzfahnen überall, Juden-werden-hier-nicht-bedient-Schilder in den Auslagen der Geschäfte.Saras Maman fühlt sich in der so genannten „freien Zone“ sicher. Was für eine trügerische Sicherheit. An einem Morgen im April bittet Papa Sara, doch ihre Winterstiefel zu tragen. Sara willigt ein, schlüpft jedoch hinter der ersten Straßenecke in die neuen roten Schuhe. In der Schule wird sie zusammen mit weiteren Kindern aus dem Unterricht genommen. Kurz vor Eintreffen der Nazis können sie in den Wald fliehen - alle bis auf Sara, die sich im Glockenturm der Schule versteckt. Die neuen Schuhe. Die Kinder werden schnell eingefangen und zusammen mit einer Lehrerin, die sie nicht allein lassen will, verschleppt. Sara gelingt mit Hilfe des an Polio leidenden Julien die Flucht durch das unterirdische Kanalsystem. Über ein Jahr wird sie von Julien und dessen Eltern in einer Scheune versteckt. Mehrmals ist sie kurz davor, entdeckt zu werden, aber Julien rettet ihr Leben und bezahlt schlussendlich mit seinem. Berührend die Geschichte der Nachbarn, die von Juliens Familie bezichtigt werden, Nazi-Spione zu sein und deren Geschichte dann eine ganz andere ist.

Mein Fazit:
Erinnert sehr an Anne Frank, was aber nicht stört, sondern berührt. Schöne Sprache, gut recherchiert. Ein wichtiges Buch.

Empfehlung:
Die zeitgleich erschienene Graphic-Novel arbeitet das Thema für Lesemuffel auf. Ebenso gut gelungen, obwohl natürlich stark reduziert.

Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck

22.9.23

Ein Hund kam in die Küche

von Sepp Mall
August 2023 (Leykam), 192 Seiten

Ludi ist zwölf Jahre alt und erlebt, wie seine Familie zur Zeit der Option von Südtirol ins Deutsche Reich auswandert. Der schwer behinderte kleine Bruder stirbt in einer Heilanstalt, während der Vater an die Front muss. Sepp Mall ist ein bewegender Roman über die Optionszeit in Südtirol gelungen, der gekonnt aus der kindlichen Sicht eines Jungen erzählt wird. Auch spricht Mall mit diesem Buch das Thema der Aussonderung und Ermordung von behinderten Kindern im Dritten Reich an.

15.9.23

Halber Löwe

von Johannes Herwig
Januar 2023 (Gerstenberg), 240 Seiten

Seit der ersten Klasse Grundschule sind Jarno, Engel, Timo und Sascha eng befreundet. Sie treffen sich nach der Schule in einem Abbruchhaus, drehen krumme Dinger und denken sich ständig neue, immer extremere Mutproben aus, die einer von ihnen erfüllen muss. Das Leben der vier in einer ostdeutschen Großstadt kurz nach der Wende scheint vorbestimmt.

8.9.23

Honig mit Salz

von Tamara Bach
Januar 2023 (Carlsen), 160 Seiten

Viel kann nicht passieren von Montag bis Montag. Und doch kann eine Woche ein Leben verändern. Ari ist mit ihren Eltern in Urlaub auf einer griechischen Insel. Mamas Arbeitskollegin stirbt, und plötzlich ist Mama im Urlaub im Dienst. Dafür hat Papa kein Verständnis. Aris Eltern streiten sich, und dann ist Papa einfach verschwunden.

1.9.23

Elternabend

von Sebastian Fitzek
April 2023 (Droemer), 336 Seiten

Sascha Nebel ist ein Kleinkrimineller, der einen SUV stehlen will. Eine Frau drischt mit einem Baseballschläger auf diesen SUV ein. Die Polizei taucht auf, und die beiden müssen fliehen. Sie steigen in einen Bus ein, der die Eltern der Schüler*innen einer 5. Klasse zu einem Elternabend mit Übernachtung auf eine Insel in der Nähe von Berlin bringt.