Februar 2023 (Hanser), 288 Seiten
Palacios Roman „White Bird“ spielt in Frankreich zur Zeit des Nationalsozialismus. Sara ist 12, einziges Kind von intellektuellen Eltern und dementsprechend verwöhnt. Ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter lehrt Mathematik an der Universität. Sie hat Freundinnen, geht zur Schule, mag Mathe nicht besonders, aber ist fürs Zeichnen sehr zu haben. Ihr Skizzenblock ist ihr ständiger Begleiter. Doch plötzlich verändert die Stadt ihr Aussehen. Hakenkreuzfahnen überall, Juden-werden-hier-nicht-bedient-Schilder in den Auslagen der Geschäfte.Saras Maman fühlt sich in der so genannten „freien Zone“ sicher. Was für eine trügerische Sicherheit. An einem Morgen im April bittet Papa Sara, doch ihre Winterstiefel zu tragen. Sara willigt ein, schlüpft jedoch hinter der ersten Straßenecke in die neuen roten Schuhe. In der Schule wird sie zusammen mit weiteren Kindern aus dem Unterricht genommen. Kurz vor Eintreffen der Nazis können sie in den Wald fliehen - alle bis auf Sara, die sich im Glockenturm der Schule versteckt. Die neuen Schuhe. Die Kinder werden schnell eingefangen und zusammen mit einer Lehrerin, die sie nicht allein lassen will, verschleppt. Sara gelingt mit Hilfe des an Polio leidenden Julien die Flucht durch das unterirdische Kanalsystem. Über ein Jahr wird sie von Julien und dessen Eltern in einer Scheune versteckt. Mehrmals ist sie kurz davor, entdeckt zu werden, aber Julien rettet ihr Leben und bezahlt schlussendlich mit seinem. Berührend die Geschichte der Nachbarn, die von Juliens Familie bezichtigt werden, Nazi-Spione zu sein und deren Geschichte dann eine ganz andere ist.
Mein Fazit:
Erinnert sehr an Anne Frank, was aber nicht stört, sondern berührt. Schöne Sprache, gut recherchiert. Ein wichtiges Buch.
Empfehlung:
Die zeitgleich erschienene Graphic-Novel arbeitet das Thema für Lesemuffel auf. Ebenso gut gelungen, obwohl natürlich stark reduziert.
Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck
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