6.12.13

Alles, was ist

James Salter

Beschreibung:
Der Autor hat seinen letzten Roman vor 30 Jahren veröffentlicht und nun legt er im biblischen Alter von 88 Jahren einen neuen Roman vor, in dem es um nichts weniger als „Alles, was ist“ geht. Erzählt wird das Leben des Protagonisten Philip Bowman vom Zweiten Weltkrieg bis in die 80er Jahre. Man könnte den Inhalt in einem Satz zusammenfassen: Auf den ersten 20 Seiten geht es um den Zweiten Weltkrieg im Pazifik, wohin der junge Bowman geschickt wird und auf den restlichen 240 Seiten geht es um das Leben. Der Krieg beeinflusst sein gesamtes Leben, ohne dass es ihm bewusst ist. Er wird Zeit seines Lebens ein „Unbehauster“ bleiben. Bowman überlebt den Krieg im Pazifik. Nach dem Krieg studiert er zunächst Jura und dann entdeckt er die Liebe zur Literatur. Er findet Arbeit als Lektor in einem kleinen Verlag, der von einem Juden namens Baum geleitet wird. Er verliebt sich in Vivien, eine Sekretärin, die keine kulturellen Interessen hat. Eigentlich passen die beiden nicht zusammen, aber er ist blind vor Liebe. Nur seine Mutter merkt es. Die beiden heiraten dennoch, gegen den Willen von Viviens Vater. Auf einer Reise nach London hat er eine Affäre mit Enid, einer verheirateten Frau. Dies ist der Angelpunkt der Geschichte. Die erste Ehe wird scheitern. Bowman wird im Laufe seines Lebens noch viele Affären mit Frauen haben, aber keine Beziehung wird von Dauer sein. Die Dauerhaftigkeit der Ehe gibt es nicht. Er betrügt und wird betrogen. Seine nächste Frau Christin nimmt ihn aus und Bowman verliert seine Eigentumswohnung. So richtig bedeutet ihm nur Enid aus London etwas, eine Frau die ihn genau versteht, mit der er aber nie wirklich eine ernste Beziehung haben kann. Bowman hat zwar den Krieg überlebt, aber innerlich hat der Krieg ihn arg getroffen. Er bleibt ein Unbehauster, der Heimat nur in der Literatur findet. Philip Bowman ist ein guter Lektor, der seine Autoren mit großem Engagement und großer Empathie betreut. Im Roman findet man viele Anspielungen auf die Literatur und Autoren wie Hemingway, Pound, Garcia Lorca, dem ein ausführliches Kapitel gewidmet ist.

Mein Fazit:
Salter zieht Bilanz über das Leben eines Mann, der durch Zufall dem Tod entronnen ist, der irdischen Genüssen und Liebesbeziehungen nicht abgeneigt ist, der aber im gewissen Sinne draußen bleibt, die Tiefe des Lebens bleibt ihm fremd - die Hoch und Tiefs seines Lebens lassen ihn unberührt und kalt.
Der Roman zeichnet sich durch eine elegante, von einem melancholischen Ton getragene Sprache aus, die wie ein Sog wirkt. Salter versteht es wie kaum ein anderer, Liebesszenen zu beschreiben, die nie peinlich oder obszön sind. Wir lernen eine Vielzahl von Figuren kennen, die Bowman in Laufe seines Lebens begegnen. Dabei wendet Salter eine ganz eigene Erzähltechnik an, die sehr gut zum Lebensstil des Protagonisten passt. So wie mit einer Filmkamera zoomt er die Figuren heran, wir lernen sie auf 10 bis20 Seiten sehr gut kennen und dann verschwinden sie wieder. Der Roman hat mich sehr beeindruckt.

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