25.3.22

Erwachsene Menschen

von Marie Aubert
April 2021 (Rowohlt), 176 Seiten

Ida fährt zu Besuch zu ihrer Schwester Marthe ins Ferienhaus am Meer. Dort will sie zusammen mit dem Mann der Schwester und dessen Kind, das er in die Ehe mitgebracht hat, den 65. Geburtstag der Mutter feiern. Das Ferienhaus gehört den beiden Schwestern gemeinsam. Doch Marthe benutzt es viel öfter, was Ida schon ein wenig stört. Dass Marthe außerdem doch tatsächlich schwanger ist, nachdem sie es so lange versucht hat, erfüllt Ida nicht wirklich mit Freude, wollte sie doch ihre Eizellen einfrieren lassen, um später, sobald sich der geeignete Partner einstellt, ein Kind haben zu können. Denn Ida ist 40, in ihrem Beruf recht erfolgreich, aber privat ziemlich allein. Die Situation spitzt sich immer mehr zu: Ida benimmt sich unmöglich, Marthe erfährt, dass ihr Partner eigentlich gar kein Kind will, die Mutter will einen netten Geburtstag verbringen und sonst in Ruhe gelassen werden.

„Erwachsene Menschen“ ist ein Buch über familiäre Konflikte, die, da nie ausgesprochen, untergründig schwelen, die Beziehungen stören und vergiften. Alle Beteiligten entpuppen sich als nicht besonders erwachsen; ihr Verhalten ist kindisch, töricht, störrisch und mehr oder weniger intrigant. Dennoch lässt es sich nachvollziehen, denn alle haben ihr Päckchen an Sorgen und Ängsten zu tragen.

Mein Fazit:
Ida ist eine schwierige Person, die die Leserin ob ihres Verhaltens unentwegt ärgert. Dennoch zahlt sich die Lektüre des Buches aus, vermittelt es doch eindrücklich, wohin es führt, wenn in Familien Konflikte nicht aufgearbeitet werden.

Sonja Hartner, Stadtbibliothek Bruneck

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