10.3.23

Heimweh nach Nirgendwo

von Martha Lanz
Juni 2022 (A. Weger), 74 Seiten

Und versuchen, das Richtige zu tun,
überzeugt,
dass es das Richtige gibt. (S. 33)

Die Toblacher Lyrikerin Martha Lanz (Jahrgang 1941) begleitet mich seit der 4. Klasse Oberschule. Immer wieder drängt sich ein schmaler Gedichteband in mein Leben. Und immer wieder trifft die Autorin meine Befindlichkeit. Und den Zeitgeist, den trifft sie auch.

Rund 70 Gedichte können sowohl als Miniaturen als auch als zusammenhängendes Langgedicht gelesen werden. Ausgehend von der Kindheit, die - bzw. die Erinnerung daran - unser aller Leben irgendwie beeinflusst, erzählt Lanz eine Lebensgeschichte. Sprachlich minimalistisch wie eh und je, gibt es in den allgemeinen Reflexionen von Leben und Sterben doch zwei Geschichten, die die Autorin erzählt. Einmal die Geschichte eines Zwillingspaares, das lernt, weil das wichtig ist für das Leben. Ein Zwilling überlebt die erste Klasse Volksschule nicht. Die zweite Geschichte dreht sich um das Hotel Post in Toblach, das nicht mehr ist. Wehmütig und melancholisch werden die Texte gegen Ende hin, der Tod bekommt eine Hauptrolle. Ganz stark werden die Gedichte, wenn die Hochsprache nicht mehr ausreicht, um etwas zu beschreiben. Ganz großes Kino.

Mein Fazit:
Epas fürs Nochtkastl.

Empfehlung:
Ich weiß, dass Lyrik nicht der große Hauer ist, aber vielleicht mal die Lanz ganz zentral irgendwo positionieren?

Michaela Grüner, Stadtbibliothek Bruneck

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