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14.7.23

Nordstadt

von Annika Büsing
Mai 2022 (Steidl), 128 Seiten

Nene, Anfang Zwanzig, ist Bademeisterin. Das ist ihr Traumberuf, schon mit fünf hat sie schwimmen gelernt. Sie lebt in der Nordstadt, und wer in diesem Teil der Stadt lebt, lebt auf der Schattenseite des Lebens. Die Mutter starb, als sie acht war. Ihr Vater, Alkoholiker, hat sich wenig um sie gekümmert und oft geschlagen. Zeitweise brachte das Jugendamt sie in Wohngemeinschaften oder bei ihrer Halbschwester unter. Mit siebzehn wurde sie vergewaltigt.

30.6.23

Auf der Tonnenseite des Lebens

von Antje Leser
September 2022 (Magellan), 272 Seiten

Joel hat sowas wie einen Corona-Jetlag. Der 17-jährige hat gefühlte 20 Jahre im Haus verbracht ohne ordentliche soziale Kontakte. Der Einzug der Influencerin Merle in die Dachwohnung seines Hauses bringt ihn zurück ins Leben.

16.6.23

Total irre

von Jutta Nymphius
September 2022 (Tulipan), 176 Seiten

Jedes Kapitel beginnt mit einem scheinbar eingeklebten Zettel zum Thema „Tierbiologie“. Hauptdarsteller Karli liest die Zeitschrift „Fun and Facts“, und zwar jeweils den Artikel „Junge Wilde – was wir von der Tierwelt übers Erwachsenwerden lernen können“. Karlis Umfeld ist – in seinen Augen und auch im Auge des Lesenden – ein wahres Gruselkabinett.

19.5.23

Einfach nur Paul

von Tania Witte
Oktober 2022 (Arena), 272 Seiten

Pauls Leben ist ganz schön kompliziert. Seine große Liebe Amira ist asexuell, sein Vater stresst ihn mit Latein, die Band, in der er singt, ist auch nicht so ganz das Wahre. Weil Paul auch nicht ganz der Wahre für die Band ist, sich das aber nicht zu sagen traut.

28.4.23

Hannas Regen

von Susan Kreller
September 2022 (Carlsen), 192 Seiten

Es interessiert mich nicht so sehr, was Susan Kreller schreibt, es interessiert mich mehr, wie sie das tut. Ich gebrauche das Wort „fulminant“ für ihren Schreibstil. Für ihren Sprachwitz, ihre messerscharfe Beobachtungsgabe, ihre unglaublichen Sprachbilder, die Explosionen im Gehirn auslösen.

21.4.23

RCE #RemoteCodeExecution

von Sibylle Berg
Mai 2022 (Kiepenheuer & Witsch), 704 Seiten

„Irgendwann später“ ist die Welt urban, global und digital. Also für alle aussichts- und perspektivlos. Nicht nur für die fünf Nerds voller Angst, die sich „Die Freunde“ nennen, und die bisher mit Games irgendwie überlebt haben. Sie versuchen, sich der Ausbeutung, der Inflation, den Seuchen, den Kriegen und den Naturkatastrophen digital entgegenzustellen.

14.4.23

Meter pro Sekunde

von Stine Pilgaard
Februar 2022 (Kanon), 255 Seiten

Die Ich-Erzählerin, eine junge Frau, zieht mit ihrem Partner und ihrem ein paar Monate alten Baby in ein Dorf in Dänemark irgendwo in Westjütland. Er arbeitet dort als Lehrer in einer Heimvolkshochschule, das ist eine Art Internat, die Lehrpersonen leben auf dem Schulgelände und die Familienangehörigen sind als „Anhängsel“ mit dabei. Sich in das Dorfleben zu integrieren, fällt alles andere als leicht.

7.4.23

Der letzte weiße Mann

von Mohsin Hamid
August 2022 (DuMont), 160 Seiten

Was wäre, wenn du am Morgen aufwachst und feststellst, dass du sich deine Hautfarbe verändert hat? Diesen Gedanken spielt der Autor, der in London und Lahore lebt, konsequent durch. In einer kleinen, nicht näher bezeichneten Stadt wachen die Menschen aus ihrem Schlaf auf und stellen fest, dass sich ihre Hautfarbe verändert hat: Sie sind nicht mehr weiß.

31.3.23

Feuerwanzen lügen nicht

von Stefanie Höfler
Juli 2022 (Beltz & Gelberg), 234 Seiten

Was soll ich schreiben? Stefanie Höfler wurde bereits dreimal für den Jugendliteraturpreis nominiert. Ich bin jetzt mal dafür, dass sie ihn bekommt. Die Geschichte rund um die besten Freunde Nits und Mischa ist wieder was fürs Herz.

24.3.23

Das versunkene Dorf

von Olivier Norek
März 2022 (Blessing), 384 Seiten

Der jungen Hauptkommissarin Noémie Chastain wird bei einem Einsatz ins Gesicht geschossen. Sie überlebt, doch die linke Hälfte des Gesichts bleibt für immer entstellt. Ihr Freund kann damit nicht umgehen und lässt sie im Stich. Ihr Vorgesetzter schiebt sie in die Provinz ab, weil der Anblick ihres Gesichts ihre Kollegen beim Einsatz hemmen könnte.

17.3.23

Brunnenstraße

von Andrea Sawatzki
Februar 2022 (Piper), 176 Seiten

Die bekannte Filmschauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki beschreibt in diesem stark autobiografischen Roman ihre Kindheit und Jugend. Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebt sie mit ihrer Mutter in einem Dorf; die Mutter ist berufstätig und alleinerziehend, Andrea hat viel Freiheit und bewegt sich gerne draußen in der Natur, sie ist glücklich. Dann zieht sie mit der Mutter zu ihrem Vater in die Brunnenstraße.

10.3.23

Heimweh nach Nirgendwo

von Martha Lanz
Juni 2022 (A. Weger), 74 Seiten

Und versuchen, das Richtige zu tun,
überzeugt,
dass es das Richtige gibt. (S. 33)

Die Toblacher Lyrikerin Martha Lanz (Jahrgang 1941) begleitet mich seit der 4. Klasse Oberschule. Immer wieder drängt sich ein schmaler Gedichteband in mein Leben. Und immer wieder trifft die Autorin meine Befindlichkeit. Und den Zeitgeist, den trifft sie auch.

3.3.23

Nie schweigen

von Esther Bejarano mit Sascha Hellen
Januar 2022 (Bonifatius), 144 Seiten

Esther Bejarano (1924-2021) hat das KZ Auschwitz-Birkenau überlebt, weil ihre Großmutter väterlicherseits katholisch war und weil sie Akkordeon spielen konnte und aus diesem Grund in das Mädchenorchester von Auschwitz aufgenommen wurde. Das Buch ist ein Interview, das sie kurz vor ihrem Tod dem Journalisten Sascha Hellen und zwei Jugendlichen gibt.

24.2.23

Adas Raum

von Sharon Dodua Otoo
Oktober 2022 (Fischer Taschenbuch), 320 Seiten

Ada ist eine Frau an unterschiedlichen Orten, zunächst in Totope, später in London und Berlin. Wie die Orte wechseln auch die Jahrhunderte, aber immer geht es irgendwie um Raum, der entsteht, auch nur vermietet wird und der zugestanden wird oder auch nicht. Verschiedene Erzählebenen verschwimmen und finden immer wieder zusammen. Dadurch wird in Schleifen ein Bild vieler Frauen geschaffen, vielleicht aller. 

17.2.23

Wie sage ich es meiner Mutter

von Wladimir Kaminer
September 2022 (Goldmann), 208 Seiten

Dass unsere Welt für die ältere Generation nicht mehr so selbstverständlich ist, kann man sehr wohl nachvollziehen, damit zurechtkommen müssen wir alle. Daher macht sich auch der Autor Gedanken darüber, was sich alles verändert hat und wie man das anderen erklären könnte.

10.2.23

Auf See

von Theresia Enzensberger
August 2022 (Hanser), 272 Seiten

Die Geschichte spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft in Deutschland. Der Neoliberalismus hat seinen Siegeszug fortgeführt, der Staat existiert zwar noch irgendwie, ist aber machtlos all den Lobbys gegenüber, die ihn beherrschen. Es ist bereits alles privatisiert, was privatisiert werden kann. Die meisten Menschen leben mehr schlecht als recht: Es gibt kaum Arbeit, schon gar nicht zu fairen Preisen; die Mieten sind unbezahlbar.

3.2.23

Verbrenn all meine Briefe

von Alex Schulman
September 2022 (dtv), 304 Seiten

Alex Schulman, Autor und Erzähler in diesem Roman, will seiner tief verwurzelten Wut auf die Spur kommen. Er erkennt, dass viele Mitglieder seiner Familie mit diesem Problem zu kämpfen haben und so erforscht er die Familiengeschichte. Er stößt dabei auf die Großeltern Karin und Sven. Sie ist eine selbständige und attraktive junge Frau, er ist ein bereits anerkannten Schriftsteller und gefürchteter Literaturkritiker. Er leidet an Tuberkulose; trotz dieser Krankheit wird er 90 Jahre alt. Während eines Aufenthaltes in einem Hotel verliebt sich Karin in Olof, einen jungen Schriftsteller. Sie treffen sich einige Zeit heimlich und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Doch daraus wird nichts. Sven, der seiner Frau gegenüber seit langem sehr verletzend ist, behandelt sie noch herablassender, seit er von der Geschichte mit Olof weiß. Sie wagt es trotzdem nicht, sich von ihm zu trennen und beendet die Beziehung zu Olof, weil sie um ihr Leben fürchten muss.

27.1.23

Weil wir nicht aufgeben

von Sabine Foraboschi
März 2022 (Athesia-Tappeiner), 160 Seiten

Alleinerziehend zu sein ist selten eine freie Entscheidung. Grund dafür sind nicht selten menschliche Tragödien, Beziehungen, die toxisch sind, Umstände, die für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar sind. Wer einmal gegen ein Elternteil seines Kindes gekämpft hat, der weiß, wie unsagbar schwierig das ist. Sabine Foraboschi sammelt Einzelschicksale, erzählt und reiht sie aneinander, ohne zu werten. Sehr hilfreich der Serviceteil mit Anlaufstellen für Betroffene.

20.1.23

Winterschwestern

von Kristin Hannah
Juni 2022 (Aufbau Taschenbuch), 456 Seiten

Die beiden erwachsenen Schwestern Meredith und Nina versprechen ihrem Vater auf dem Sterbebett, sich um die Mutter zu kümmern. Da die Mutter immer schon kalt und abweisend zu ihren Töchtern war, wird das für die beiden schwierig. Erst als die Töchter erkennen, dass die Kälte ihrer Mutter mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt und sie zu dritt nach Alaska fahren, um das traurige Vorleben ihrer Mutter aufzuarbeiten, ändert sich das Verhältnis der drei.

13.1.23

Automaton

von Berit Glanz
Februar 2022 (Berlin Verlag), 288 Seiten

Die Protagonistin Tiff, eine junge alleinerziehende Mutter, leidet an einer Angststörung, wodurch sie ganz alltägliche Dinge wie das Einkaufen oder schlichtweg das Verlassen des Hauses kaum zu bewältigen vermag. Hervorgerufen wurde diese durch das wochenlange Prüfen und Katalogisieren von zerstörenden Bildern unter Zeitdruck in ihrem schlecht bezahlten Job als Content-Cleanerin.