Nene, Anfang Zwanzig, ist Bademeisterin. Das ist ihr Traumberuf, schon mit fünf hat sie schwimmen gelernt. Sie lebt in der Nordstadt, und wer in diesem Teil der Stadt lebt, lebt auf der Schattenseite des Lebens. Die Mutter starb, als sie acht war. Ihr Vater, Alkoholiker, hat sich wenig um sie gekümmert und oft geschlagen. Zeitweise brachte das Jugendamt sie in Wohngemeinschaften oder bei ihrer Halbschwester unter. Mit siebzehn wurde sie vergewaltigt.
Aber sie lässt sich nicht unterkriegen, versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Die Halbschwester gibt ihr etwas Halt und unterstützt sie. Im Schwimmbad lernt sie Boris kennen, dessen Puma-Augen sie faszinieren. Langsam und mit vielen Hürden entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden. Er leidet unter den Folgen seiner Kinderlähmung und der Diskriminierung, die er erfährt. Irgendwie bekommt er sein Leben nicht wirklich auf die Reihe. Er tischt ihr immer wieder Lügen über seine Lebensumstände auf, ist oft schlecht gelaunt, ist ihr gegenüber oft sehr hart und abweisend. Er kann seine Zuneigung nicht wirklich zeigen. Aber sie hält an ihm fest, versteht ihn, kämpft um ihn. Und so hat ihre Beziehung trotz widriger Umstände vielleicht eine Chance.Mein Fazit:
Das Geschehen wird aus der Perspektive von Nene erzählt, und das macht den Roman so spannend. Sie ist sensibel und rücksichtsvoll, aber auch sehr direkt, sie beschreibt offen und oft recht derb die Gewalt, die sie erlebt hat. Als Leserin schlägt man sich auf ihre Seite.
Der Roman greift viele Themen auf: Gewalt, Alkoholismus, Bildungsferne, Diskriminierung Behinderter. Annika Büsing, im Ruhrgebiet aufgewachsen, kennt die sozialen Brennpunkte der Großstädte.
Empfehlung:
Ein durchaus gelungener Debütroman, keine Liebesgeschichte mit Happy End und keine einfache Lektüre, aber doch ein beindruckender Text. Ich bin schon gespannt auf den zweiten Roman von Büsing.
Mathilde Aspmair

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